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Irische Behörden stoppen SAP-Projekte

17.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die irische Gesundheitsbehörde Health Service Executive (HSE) hat die Einführung einer neuen Software für die Personalverwaltung gestoppt. Unter dem Projekt "Personnel, Payroll and Related Systems" (PPARS), das bereits vor rund zehn Jahren startete, sollten die Daten von etwa 120.000 Mitarbeitern des irischen Gesundheitswesens in eine neue Verwaltungssoftware einfließen.

Doch daraus wird vorerst nichts. Nachdem während der ersten Installationen in vier Regionen massive Probleme aufgetreten waren, legten die Verantwortlichen das Vorhaben am 6. Oktober auf Eis. Darüber hinaus wurden auch die Arbeiten an einem anderen Projekt, dem "Financial Information Systems Project" (FISP), bis auf weiteres eingefroren. Beide Vorhaben, die auf SAPs R/3-Software basieren, wurden von dem US-amerikanischen Beratungsunternehmen Deloitte & Touche LLP betreut. Experten schätzen das Gesamtvolumen des SAP-Rollouts auf über 380 Millionen Dollar.

Das Ganze gleiche eher einer Fallstudie, wie man ein IT-Projekt nicht durchführen sollte, höhnte ein Sprecher von Enda Kenny, Führer der Oppositionspartei Fine Gael. Ursprünglich sei das 1995 gestartete Projekt PPARS auf drei Jahre angesetzt gewesen und sollte 10,7 Millionen Dollar kosten. Nach zehn Jahren habe das Vorhaben bereits 180 Millionen Dollar verschlungen. Dafür hätte man ein neues 600-Betten-Hospital bauen können, monieren Oppositionspolitiker. Das neue System verursache einen Fehler nach dem anderen. So hätte ein Krankenhausmitarbeiter versehentlich einen Monatslohn von 1,2 Millionen Dollar erhalten.

Man habe die Komplexität des alten Verwaltungssystems offenbar unterschätzt, räumte eine Sprecherin der irischen Gesundheitsbehörde ein. Es gebe rund 2500 unterschiedliche Gehaltsabrechnungen innerhalb des Gesundheitssystems. Die genauen Ursachen für das Softwaredesaster ließen sich jedoch erst nach einer exakten Fehleranalyse benennen. Es sei wichtig, zunächst das PPARS-Projekt so abzuschließen, dass alle Anforderungen erfüllt seien, rechtfertigte die Sprecherin den Stopp des zweiten Softwarevorhabens. Das später gestartete FISP-Projekt, mit dem die Bereiche Finanzen sowie Materialwirtschaft abgedeckt werden sollen, hat bislang 36 Millionen Dollar gekostet. Experten schätzen den Gesamtaufwand auf über 200 Millionen Dollar. (ba)