Internet of Things

IoT wächst rasant – und ohne ausreichenden Schutz vor Hackern

Tillmann Braun ist freier Journalist und Kommunikationsberater für non-profit Organisationen und Unternehmen. Sein Fachgebiet sind innovative IT-Lösungen für die Vernetzung von Menschen und Maschinen. Zu seinen Spezialthemen gehören intelligente (Heim-)Netzwerke, Machine-to-Machine-Kommunikation, Mobile Payment, IT-Strategien und vielfältig einsetzbare Kommunikationssysteme.
Laut Schätzungen von Gartner wird das Internet of Things (IoT) bereits 2015 auf weltweit 4,9 Milliarden vernetzte Geräte wachsen. Bis 2020 könnte diese Zahl sogar auf 25 Milliarden steigen. Neben neuen Möglichkeiten und mitunter gesteigerter Effizienz birgt der Trend allerdings auch Gefahren. Unternehmen und Endverbraucher sollten deshalb stets auf ausreichende Sicherheit achten.
Beim rasanten Wachstum des Internet of Things dürfen Unternehmen und Endanwender das Thema Sicherheit nicht vergessen.
Beim rasanten Wachstum des Internet of Things dürfen Unternehmen und Endanwender das Thema Sicherheit nicht vergessen.
Foto: nopporn, Shutterstock.com

Den Marktforschern von Gartner zufolge wird das Internet of Things im kommenden Jahr im Vergleich zu 2014 um rund 30 Prozent zulegen. Die langfristigen Aussichten sind nicht minder gering. Vor allem in den Bereichen Energieversorgung, Herstellung und Transport erwartet Gartner einen hohen Bedarf. Bis 2020 werden den Experten zufolge allein in diesen drei Kernbereichen insgesamt 1,7 Milliarden netzwerkfähiger Geräte zum Einsatz kommen. Gartner geht davon aus, dass bis Ende 2017 20 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftsvorgänge mit IoT-basierten Sicherheitsmaßnahmen schützen werden. Die Marktforscher sehen gleichzeitig eine reelle Gefahr für Unternehmen, die sich nicht ausreichend auf das Internet of Things einstellen.

Der weltweit größte Verband für M2M-Kommunikation, die M2M Alliance, sieht ebenfalls Handlungsbedarf. "Das Internet of Things bietet einmalige Möglichkeiten, um neue nutzungsabhängige Geschäftsmodelle und Lösungen anbieten zu können, unternehmensinterne Abläufe zu optimieren und produktiver zu wirtschaften", betont der Vorsitzende der M2M Alliance, Eric Schneider. "Auch der schnelle Informationsaustausch zwischen Partnern und über Ländergrenzen hinweg ist dank IoT möglich. Wichtig ist dabei jedoch, dass die Sicherheit vor allem von kritischen Daten jederzeit beachtet wird", so Schneider weiter. "Wenn die notwendige Expertise nicht inhouse vorhanden ist, empfehlen wir dringendst, dass sich die Unternehmen die notwendige Unterstützung über externe Dienstleister besorgen."

Steve Prentice, Vice President von Gartner, appelliert ebenfalls an die Unternehmen, bereits jetzt aktiv zu werden: "Die Zahl der vernetzten, intelligenten Geräte wird weiter exponentiell wachsen. CIOs müssen für dieses Szenario neue Dienste, Anwendungsszenarien und Geschäftsstrategien finden", mahnt Prentice.

Chancen für neue Übertragungsstandards

Neue Standards für die Datenübertragung wie der auf DECT basierende ULE Standard (Ultra Low Energy) könnten in Zukunft eine wichtige Rolle dabei spielen, wie sicher die eigenen Netzwerke und Geräte sind. Laut der ULE Alliance eignet sich ULE mit seiner sicheren Verschlüsselung und niedrigem Verbrauch vor allem für die Bereiche Gebäudeautomatisierung sowie Klima- und Security-Technologie. In nächster Zeit sollen gleich mehrere Produkte auf den Markt kommen, die ULE nutzen.

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

Doch obwohl das Thema Sicherheit bei vielen Unternehmen mittlerweile stärker im Mittelpunkt steht als noch vor wenigen Jahren, gibt es weiterhin Firmen, die nicht oder nur kaum in den Schutz der eigenen Systeme investieren. "Dabei lässt sich teils schon mit vergleichsweise wenig Aufwand viel erreichen", sagt Lucas Will, Sicherheitsexperte beim Beratungsunternehmen COCUS. "So können etwa 80 Prozent des Gefahrenpotentials bereits mit 20 Prozent des Aufwands eines durchschnittlichen Penetration-Tests erkannt und adressiert werden. Das liegt daran, dass 80 Prozent der Angriffe auf Methoden basieren, die von sogenannten 'Script Kiddies' genutzt werden, um sich Zugang zu Systemen zu verschaffen - sei es, um böswillig Schaden anzurichten oder um einfach nur 'Spaß' zu haben, der ebenfalls erhebliche negative Auswirkungen auf ein Unternehmen haben kann", gibt Will zu Bedenken. Für derartige Szenarien gäbe es bereits kostengünstige Lösungen.

In einem sind sich alle Experten einig: Wer sich auf den Boom des Internet of Things sowie auf die damit einhergehenden Gefahren nicht rechtzeitig einstellt, läuft Gefahr, am Ende als Verlierer da zu stehen. Dabei bietet die Vernetzung eigentlich immenses Potenzial. (mb)