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Wearables & Co.

IoT für den Hausgebrauch

Mathias Kaldenhoff, Head of Business Development Platform Solutions, SAP,  verfügt über fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Bereich Business Technology und ist als Influencer außerdem Spezialist in den Fachgebieten HANA, D & T, BI/BA, CRM, FIN, HCM und Mobile Enterprise mit dem Fokus auf Sicherheit. Sein Schwerpunkt liegt auf Realtime, Big Data, Realtime Enterprise Platform, Predictive, Analytics, Mobile und Value Selling, worüber er bereits in verschiedenen Publikationen zahlreiche Beiträge veröffentlicht hat. Mathias Kaldenhoff verantwortet heute SAP Platform Sales Business Development.
Von vernetzten Kühlschränken bis zu Fitnesstrackern: Wie zweckmäßig ist das IoT wirklich für den Hausgebrauch und wie sieht es mit der Datensicherheit und dem Schutz der Privatsphäre aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Vernetzte Schlösser und Eingangstüren, vernetzte Thermostate, Kühlschränke, Uhren, vernetzte Autos, Wearables, vernetzte Fitnesstracker: Wer hat nicht schon davon gehört - wer kann es vielleicht schon gar nicht mehr hören?

Alle sind Bestandteile einer ständig wachsenden Klasse von "Dingen", die zum "Internet of Things" gehören, kurz IoT genannt. Wie das so mit neuen Technologien ist, können sie schon Normalverbraucher verwirren und manchmal sogar einschüchtern. Speziell, wenn sich die Debatte um Standardisierung, Sicherheit und Privatsphäre dreht, und trotzdem eine Firma nach der anderen auf den Innovationszug aufspringt.

Was genau ist denn nun dieses "Internet der Dinge" ?

Ein einfacher Satz beschreibt es vielleicht am besten: "Die Idee dahinter ist, dass überall Netzwerkverbindung eingebaut werden, und alles über das Internet überwacht, gesteuert und miteinander verbunden werden kann." Grundsätzlich beschäftigt sich IoT also mit der Verbindung alltäglicher "Dinge" untereinander und mit dem Internet, alles mit dem Ziel, für Anwender Nützliches und Angenehmes bereitzustellen. "Dinge" können alles mögliche umfassen: Armbänder, Glühbirnen, Küchengeräte, Kaffeemaschinen, Waschmaschinen, Wasser- und Stromleitungen, Heizungen, sogar Ihr Auto - alles, jederzeit.

Beispiele gefällig ?

Wi-Fi-verbundene Thermostate erlauben Temperatureinstellungen über handelsübliche Smartphones, lernen Gebrauchsmuster und machen Vorschläge für wiederkehrende Situationen.

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

Der Mehrwert? Sie haben vergessen, bei Verlassen des Hauses die Heizung abzudrehen? Das ferngesteuerte Ausschalten spart Geld auf ihrer Verbrauchsabrechnung. Das ist nicht nur nützlich. Das System weiß auch, dass Sie es gern etwas kühler haben, bevor sie zu Bett gehen und stellt es automatisch ein. Das ist bequem. Sensoren im Haussysteme überwachen, wer ein- und ausgeht oder melden Wasserlecks. Das ist nützlich und sicher.

Weiter gedacht, ist ein Szenario vorstellbar, in dem Ihr Fitnesstracker erkennt, dass Sie schlafen, dann den (selbstverständlich) noch laufenden Fernseher abschaltet und sogar das Licht löscht. Oder - Sie steigen in das Auto, Ihr Kalender ist vorbereitet, die günstigste Route errechnet, eventuell wegen Stau Wartende wurden schon benachrichtigt.

Breiter gedacht, könnten Kommunen dieselben Daten zur Überwachung des Parkplatzangebotes, der Verkehrsdichte, der Luft- und Wasserqualität nutzen.

Was ist das IoT?

Zuerst ist es eigentlich die Zusammenarbeit verschiedener drahtloser Signale, die dem "Ding" die Verbindung zum Internet oder anderen Geräten ermöglichen. Bekannte Standards wie Wi-Fi, Bluetooth, NFC und RFID und einige, von denen man bisher noch nicht viel hörte, wie ZigBee, ZWave oder 6LoWPAN (Techniker kriegen jetzt bestimmt glänzende Augen !).

Zweitens sind es die Dinge selbst. Bewegungssensoren, Türschlösser oder Glühbirnen und die Schaltzentralen, die verschiedene Geräte miteinander koppeln.

Zu guter Letzt sind es die Cloud-Dienste, die Daten sammeln und analysieren, damit die Anwender wissen, was passiert und wie sie reagieren sollen.

Welche Firmen arbeiten an IoT?

Die Frage sollte lieber lauten: Wer arbeitet NICHT daran? Bosch, Siemens, Samsung, LG, Apple, Google, Loewe und Philips konzipieren wie unzählige kleinere Firmen oder Startups dementsprechende Endgeräte. Gartner prognostiziert 5 Milliarden verbundene Dinge in 2015 und 25 Milliarden im Jahre 2020.

Alle Endgeräte reden problemlos miteinander?

Jetzt wird es schon etwas komplizierter. So viele Firmen arbeiten an Produkten, Technologien und Plattformen, dass es schier unmöglich erscheint, dass alles unterbrechungsfrei miteinander kommuniziert.

Verschiedene Gruppen und Konsortien versuchen, einen offenen Standard zu implementieren, der Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Typen gewährleistet: z.B. die "AllSeen Allianz", mit Qualcomm, LG, Microsoft, Panasonic und Sony oder das "Open Interconnect Consortium", das von Intel, Cisco, GE, Samsung und HP unterstützt wird. Überall das gleiche Ziel, überall die gleichen Schwierigkeiten - OIC moniert bei bei AA mangelndes Sicherheitsbewusstsein, AA mit mehr als 110 Mitgliedern bei OIC, dass dieses Konsortium zu wenig Bandbreite habe. Noch ist nicht klar, wer diesen Krieg der Sterne gewinnen wird, wahrscheinlich wird es eher drei bis vier Vertreter als nur einen auf dem Siegertreppchen geben (Denken sie nur an iOS und Android - nicht an VHS und Betamax).

Unmengen von Daten. Müssen wir uns um Sicherheit und Privatsphäre Sorgen machen?

Alle Geräte sammeln Daten und schicken diese über eine stetig wachsende Anzahl von Zugriffspunkten. Da wird man schon ob des Risikos nervös, dass kritische Daten in die falschen Hände geraten.

Nationale und internationale Behörden und Kommissionen drücken ebenso ihre Besorgnis aus. Sie empfehlen Maßnahmen und machen Regulierungsvorschläge zum Schutze der Verbraucher. Bindend ist das allerdings (noch) nicht - es bleibt abzuwarten, wie viele Firmen solche Vorschläge beherzigen.

Dabei ist es ganz einfach: Jedes Unternehmen, welches sich mit dem IoT beschäftigt, muss Sicherheit und Privatsphäre deutlich sichtbar zuoberst auf der Agenda stehen haben. Plattformanbieter müssen von Firmen, die für sie Software oder Dienste entwickeln, durchgehende Authentifizierung und Verschlüsselung verlangen. That's it.

Soll ich jetzt kaufen? Oder warten?

Während die Idee des IoT eigentlich schon seit Jahren bekannt ist, erreicht sie wohl jetzt erst den Konsumentenmarkt, verschiedenes musste, scheint es, noch reifen. Selbstverständlich gibt es aber schon sehr gute Produkte. Wenn Sie jetzt kaufen wollen, ist es wie immer: Schauen Sie sich um, kaufen Sie von einer Firma, der sie vertrauen, und kaufen Sie etwas, was auch wirklich Ihr oder überhaupt ein Problem löst. Es ist schon ein Unterschied, ob sie den Heimweg Ihrer Kinder und Ihre Umgebung sicherer machen oder sich ein Rezept für gedämpftes Gemüse auf einem über das Internet verbundenen Kochtopf anzeigen lassen.