Unternehmensfunktionen im neuen Betriebssystem (Teil 5)

iOS 10 - Veränderungen beim Lizenz-Management im AppStore

Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf. Er versteht es diese Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig.
Bereits kurz vor der WWDC 16 erläuterte Marketing-Manager Phil Schiller, wie Apple sein Preismodell im App Store um ein neues Abo-Modell erweitern und diesen damit neu ankurbeln will.

Apps sollen dann nicht mehr nur einmalig gekauft und beliebig lange genutzt werden können, sondern auch als Abo erworben werden. Bislang ist das Abo-Modell nur für ausgewählte App-Inhalte, im Rahmen der InApp-Käufe möglich.

An der bisherigen allgemein geltenden Umsatzaufteilung - 30 Prozent gehen an Apple, 70 Prozent an den Entwickler - wird sich etwas ändern. Wird eine App per Abo angeboten, sind nach einem Jahr erfolgreichem Abbo nur noch 15 Prozent bei Apple. Das 8 Jahre gültige Geschäftsmodell des App Stores wird damit angefasst. Apple erlaubt dieses Preismodell nur Apps mit "sinnvollen Mehrwert". Details dazu, was dies bedeutet, fehlen noch.

Das neue Abo-Modell im AppStore soll Entwicklern Anreize geben, ihre Apps zu pflegen.
Das neue Abo-Modell im AppStore soll Entwicklern Anreize geben, ihre Apps zu pflegen.
Foto: Apple/Screenshot

Vorteil für Entwickler

Das bedeutet für Entwickler, dass sich Arbeiten an Apps doch dauerhaft monetarisieren lassen. Updates und Code-Pflege lohnen sich wieder, dies war bisher ein häufiger Kritikpunkt. Die Motivation für den Entwickler, dies auch zu tun ist klar, Kunden können monatlich aussteigen.

Der Begriff Abo ist jedoch irreführend. Bei einem Abo zahlt der Nutznießer regelmäßig für sein Produkt und bekommt im gleichen Atemzug eine Gegenleistung. Kündigt er das Abo, kann er die bisher erhaltenen Produkte behalten und weiter nutzen. Im App Store ist dies anders. Es sich daher eher um den Sachverhalt her eher um eine Miete oder Pacht.

Zusammen mit weitern geplanten Verbesserungen bei der Prüfung von Apps und bei Suche/Kategorisierung im Appstore soll nun das in Stocken geratene Geschäft im AppStore so neuen Schwung erhalten.

Vorteil für Unternehmen

Sicherlich waren die niedrigen Preise für Apps immer von Vorteil. Die fehlende Nachhaltigkeit von stetigen Funktionserweitetungen, Bug-Fixes und rechtzeitige Updates beim iOS-Wechsel wurde immer erst viel später als Risiko erkannt.

Die Möglichkeiten des neuen Geschäftsmodells bringen die Erfahrungen von Microsoft und Adobe, für die ohnehin bereits regelmäßig Lizenzgebühren zu entrichten sind, in die Hände aller Entwickler. Software kostet Geld und ein stetiger Geldfluss sorgt für die Basis einer qualitativ hochwertigen Software.

Es darf erwartet werden, dass viele Anbieter dieses Modell wählen werden und viele Anbieter es nun lukrativ finden werden, ihre Profisoftware auf die iOS-Plattform zu bringen. Auch das iPad Pro könnte von dieser Entwicklung profitieren, da nun auch andere Anbieter belohnt werden, wenn sie entsprechende Pro-Features unterstützen.

Sicherlich wird es im Rahmen der Volume Purchase Käufe (VPP) in der Abrechnung wieder aufwendiger, die kleinst Euro-Beträge zu verwalten, die Vorteile dürften jedoch überwiegen.

Ein Maler kauft auch Pinsel und Farbe in regelmäßigen Abständen und zahlt dafür Geld. Ist das Material zu teuer, stimmt sein Geschäftsmodell nicht. Gleiches gilt nun auch für Apps.

Vorteil für Privatpersonen

Wer jetzt aufschreit, dass jedem privaten Bürger damit das Geld aus der Tasche gezogen werden soll, sollte sich folgendes überlegen. Jeder kennt das bestimmt - er kauft eine App für 5€ und diese überlebt den Release-Wechsel von iOS nicht. Im Idealfall gibt der Entwickler ein kostenloses Update, aber viel öfter ist zu beobachten dass eine neue Version mit angepasstem Namen im App Store erscheinen - wieder für 5€.

Dies macht den Store unübersichtlich und sorgt immer wieder auch für Probleme in der Datenübernahme. Geben Sie diesem neuen Modell eine Chance. Der Preis wird auch hier von den Anwendern bestimmt, die einen Wertbeitrag honorieren - oder nicht. (mb)