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Intershop erweitert seine E-Business-Plattform

27.11.2001
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Von CW-Redakteur Frank Niemann

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der E-Commerce-Pionier Intershop bringt neue Softwareprodukte auf den Markt, mit denen Großfirmen den Einkauf und Verkauf via Web sowie das Content-Management auf einer Plattform abwickeln können. Firmengründer Stephan Schambach setzt mit diesem Angebot auf den vorherrschenden Kostendruck der Unternehmen.

"Enfinity Multisite", eine zusätzliche Komponente der E-Business-Plattform Enfinity, gestattet es großen Firmen, ihre unterschiedlichen Online-Aktivitäten auf einer Systemplattform abzubilden. So seien Unternehmen in der Lage, mit einem einzigen Produkt den direkten Online-Verkauf an Endkunden oder Firmen sowie die Einbindung von Händlern oder Vertriebsnetzen zu realisieren. Verschiedene Unternehmensteile erhalten über Multisite einen Mandantenzugang zur Enfinity-Software. Dadurch lassen sich bestimmte Standards, wie etwa Kataloginhalte, Transaktionen oder Seitenvorlagen, von allen beteiligten Konzerneinheiten gemeinsam nutzen. Spartenspezifische Bereiche können die Mandanten dagegen in Eigenregie verwalten, erläutert Intershop-Chef Stephan Schambach. Zudem erlaube Multisite, Geschäftsbeziehungen zwischen einzelnen Mandanten zu definieren, etwa, wenn eine Firmentochter externe Kunden hat und gleichzeitig als Zulieferer eines anderen Konzernteils agiert.

Nutznießer der Multisite-Technik seien insbesondere Konzerne mit vielen Landesvertriebsgesellschaften. Solche Firmen tun sich laut Schambach schwer damit, den einzelnen Niederlassungen vorgefertigte E-Commerce-Systeme zur Verfügung zu stellen, die noch dazu flexibel genug sind, den dortigen Verantwortlichen spezifische Anpassungen zu ermöglichen. Oft starteten viele Großfirmen eine Reihe von E-Commerce-Initiativen, die nicht selten in Insellösungen resultierten. Manche Anwender hätten sich beispielsweise Einzelprodukte für den elektronischen Einkauf, Verkauf sowie das Katalog- und Content-Management von verschiedenen Herstellern zulegt. Dies werfe aber erhebliche Schwierigkeiten in puncto Integration und Upgrades auf. Zudem entstünden hohe Lizenzkosten. Andere Anwender hätten in Ermangelung einer einheitlichen Lösung Applikations-Server wie "IBM Websphere" inklusive einiger E-Business-Komponenten angeschafft. Doch dieses Vorgehen erfordere einen

erheblichen Entwicklungs- und Kostenaufwand. Multisite dagegen stelle eine einheitliche Plattform für Konzerne dar und biete gemeinsam mit weiteren Komponenten der Enfinity-Plattform eine Vielzahl vorgefertigter Funktionen. Das Produkt erweitert die Enfinity-Technik unter anderem um ein ausgefeiltes Zugriffsrechtesystem. Auch der "Virtual Pipeline Manager", Intershops Tool zum Modellieren von elektronischen Geschäftsprozessen, wurde für den konzernweiten Ansatz ausgebaut.

In Sachen Content-Management sind Intershop-Kunden nun nicht mehr nur auf Dritthersteller angewiesen, denn der Anbieter bringt mit "Enfinity Content Management" eine eigene Software auf den Markt. "Unsere Kunden wollen die Inhalte eines Online-Katalogs einem redaktionellen Workflow unterziehen, deshalb müssen die Funktionen Bestandteil des E-Commerce-Systems werden", lautet Schambachs Devise. So könnten Anwender Produktdaten aus dem "Catalog Server", einer zentralen Komponente des Enfinity-Systems, abrufen, im Rahmen eines Workflows bearbeiten und nach erteilter Freigabe eines Verantwortlichen in den zentralen Katalog zurückspeichern. Bisher mussten Anwender ihre Content-Management-Systeme entweder manuell anbinden, oder sie griffen auf Adapter zurück, um Produkte von Drittherstellern einzubinden. Doch die Integration dieser Produkte kommt nach Ansicht des Intershop-Chefs lediglich einer Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gleich: "Die Verschiedenheit der E-Commerce-Software

und der Content-Tools erschwert eine direkte Verknüpfung mit elektronischen Geschäftsprozessen." Das Produkt basiert auf einem XML-Repository und trennt Inhalte und Layout voneinander. Die Technik des Content-Management-Systems geht auf die im August 2000 übernommene Firma Subotnic aus Berlin zurück

Die dritte Neuerscheinung aus dem Hause Intershop ist "Procurement Solution". Mit diesem Produkt können Unternehmen ihr Bestellwesen automatisieren. Über elektronische Kataloge lassen sich Produkte bei Lieferanten ordern, wobei sich Freigabe-Workflows definieren lassen. Das Procurement-System unterstützt mehrere Klassifizierungssysteme, darunter Ecl@ss und BME Cat und erlaubt die Verwaltung einer Vielzahl von Lieferanten. Letztere können über ein Browser-Interface die Kataloge ihrer Kunden aktualisieren. Neben den klassischen Einkaufsfunktionen unterstützt die Software auch Online-Auktionen.

Sowohl das Content-Management-System als auch das Procurement lassen sich auch unabhängig von Multisite nutzen. Damit käme die Software auch solchen Unternehmen zugute, die Enfinity bereits einsetzen. Bestandskunden wären mit Multisite in der Lage, mehrere Enfinity-Installationen über eine Plattform zentral zu verwalten.

Bisher haben Unternehmen einen "Best-of-Breed"-Ansatz verfolgt, um Einkaufs- und Verkaufsfunktionen via Web abzudecken, so Schambach. Nicht selten entstanden so Insellösungen. Doch der Wildwuchs an Systemen bereite den Verantwortlichen zunehmend Kopfzerbrechen. Nach dem Dotcom-Hype hätten Firmen nun die Chance, ihre oft unter Zeitdruck getroffenen Produktentscheidungen zu überdenken und Konsolidierung zu betreiben und profitiere deshalb gerne selbst von den wirtschaftlichen Vorteilen der Lösung: "Wie alle Zulieferer von IT-Infrastruktur durchlebe jedoch auch sein Unternehmen eine schwere Zeit. Mit Multisite können wir in jedem Fall die Kosten halbieren und die Effizienz mindestens verdreifachen", verspricht Schambach vollmundig.

Intershop reagiert mit der neuen Offerte auf Forderungen seiner Kunden. Damit die vom Firmenchef skizzierten Vorteile voll zur Geltung kommen, müssen sich Firmen jedoch komplett auf einen Hersteller einlassen. Schambachs Hoffnungen ruhen daher auf den Partnern Hewlett-Packard und KPMG.