Sauer ist raus

Intershop-Aktionäre erzwingen Neubesetzung des Aufsichtsrats

30.03.2010
Auf Druck von Aktionären ist der Aufsichtsrat des Jenaer Software-Unternehmens Intershop neu besetzt worden.
Der Intershop-Tower in Jena
Der Intershop-Tower in Jena
Foto: Intershop

Der seit Wochen umstrittene Vize-Aufsichtsratschef des einstigen Internet-Pioniers, Michael Sauer, kam am Montag mit seinem Rücktritt einer drohenden Absetzung bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Jena zuvor.

Nach heftigen Debatten über seine Arbeit als Unternehmensaufseher legte Sauer sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Mehrere Aktionäre hatten seine Abberufung gefordert und ihn verdächtigt, Geschäftsgeheimnisse des Unternehmens weitergegeben und Vertraulichkeit missbraucht zu haben.

Sauer, der Geschäftsführer der Internet-Firma Music Store GmbH (Köln) ist und mehr als eine Million Intershop-Aktien hält, hatte dem Aufsichtsrat seit 2007 angehört. Intershop ist auf Programme spezialisiert, mit denen Unternehmen ihren Handel im Internet (E-Commerce) abwickeln können.

Nach einer zeitweise tumultartigen Hauptversammlung wurden zwei neue Aufsichtsräte bestimmt: Zum Nachfolger von Sauer wurde der selbstständigen Unternehmensberater Peter Georg von der Howen (München) gewählt. Der IT-Manager Bernhard Woebker (München) soll zum 1. April auf den bisherigen Aufsichtsratschef Joachim Sperbel folgen, der vor einigen Wochen seinen Rückzug per Ende März angekündigt hatte. Sperbel war zu der Aktionärsversammlung in Jena nicht erschienen. Mit der Neuwahl ist das Intershop-Kontrollgremium wieder komplett.

Sprecher von Aktionärsvereinigungen bezeichneten das Verhältnis zwischen dem Vorstand und dem bisherigen Aufsichtsrat der börsennotierten Gesellschaft als "total zerrüttet". Jens Peter Köll, einer der Aktionärsrebellen, warf Sauer vor, die Absetzung des Intershop-Vorstandes in den vergangenen Monaten betrieben zu haben. Ein Vorstandsmitglied bestätigte, dass es Ablösungspläne gegeben habe. Grund dafür seien Meinungsdifferenzen über die künftige Strategie, aber auch ein möglicher Einstieg von Investoren gewesen, klang in der Debatte an.

Die Niederlage von Sauer hatte sich schon früh angedeutet: Mit 88,6 Prozent der abgegebenen Stimmen war ihm die Leitung der Hauptversammlung entzogen worden. "Es kann niemand über sich selbst zu Gericht sitzen", begründete ein Aktionär die Entscheidung.

Intershop hatte sich mit seinen Shop-Lösungen, die unter anderem die Deutsche Telekom und Otto verwenden, in den 1990er Jahren in Deutschland und den USA einen Namen gemacht. Nach Verlusten und immer neuen Personalquerelen seit 2001 schreibt der Thüringer Software-Anbieter ("Enfinity Suite") seit zwei Jahren schwarze Zahlen. 2009 war der Umsatz um 13 Prozent auf 31,8 Millionen Euro gestiegen, der Jahresüberschuss betrug 1,7 Millionen Euro. (dpa/tc)