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Online-Fahndungsliste

Interpol schickt Webnutzer auf Verbrecherjagd

06.07.2010
Von pte pte
Die Polizei findet immer mehr Gefallen an der Social-Networks-Idee.
Interpol sucht Schwerverbrecher jetzt auch per Online-Fahnungsliste.
Interpol sucht Schwerverbrecher jetzt auch per Online-Fahnungsliste.

Ihre internationale Behörde Interpol hat soeben einen Aufruf an alle Webuser veröffentlicht, bei der Ergreifung von über 300 flüchtigen Schwerverbrechern mitzuhelfen. "An der Spitze der Fahndungsliste stehen Menschen, die wegen Menschenhandel, Mord und Kindesmissbrauch gesucht werden. Es ist wahrscheinlicher, dass jemand diese Flüchtigen auf der Website eines sozialen Netzwerkes oder Chatrooms erkennt, als sie auf der Straße zu entdecken", so Martin Cox, Interpol-Sprecher für die Fahndung.

Schon im Mai richtete die Interpol an die Webgemeinde einen Appell zur Mithilfe bei der Ergreifung von 450 Verurteilten und Verdächtigen in 29 Ländern. Der Erfolg stellte sich ein: Auf Basis von Hinweisen aus aller Welt konnten in den vergangenen zwei Monaten 107 Flüchtige aus der Fahndungsliste gefasst werden. "Viele Flüchtige glaubten wahrscheinlich, dass sie entkommen seien und nicht länger gesucht würden. Die Aktion soll zeigen, dass das niemals der Fall ist, denn die Strafverfolgungsbehörden werden nach ihnen so lange fahnden wie es nötig ist", so die Interpol.

Der wohl prominenteste Fall, der durch die Aktion bisher ins Netz ging, ist das 30-jährige kolumbianische Ex-Model Angie Sanclemente Valencia. Valencia wird verdächtigt, mit ihrem Ehemann einen Drogenring zu leiten und dabei stets Frauen für den Drogentransport nach Europa und Nordamerika rekrutiert zu haben. Seit Ende des Vorjahres ein 21-jähriges Mädchen mit 55 Kilogramm Kokain erwischt wurde, haftete die Interpol an ihren Fersen. Ende Mai dieses Jahres wurde sie in Buenos Aires gefasst, ehe sie zuvor noch per Facebook ihre Unschuld beteuert hatte.

An diese Erfolge will man nun anknüpfen. So wurde nun eine Fahndungsliste der 26 meistgesuchten Personen veröffentlicht, die möglicherweise im Internet aktiv sind. Darunter befindet sich auch der Österreicher Tibor Foco. Von dem ehemaliger Zuhälter und Motorradrennfahrer, der 1986 eine Prostituierte ermordet haben soll und bei der Haft entfloh, tappen die Ermittler man weiter völlig im Dunkeln in der Frage, wo er sich derzeit aufhalten dürfte. In der erweiterten Liste befinden sich auch zehn Deutsche, unter anderem der Schwerverbrecher Norman Volker Franz. (pte)