Gastkommentar

Internet: Tor zum Wertewandel

22.10.1999
Elizabeth Dambock, Geschäftsführerin CA Deutschland GmbH, Darmstadt

Internationale Orientierung ist heute für junge Menschen eine Selbstverständlichkeit. Auch in der Wirtschaft reden wir viel über Globalisierung und weltweite Vernetzung. Doch die meisten Unternehmen sind nach wie vor monokulturell. Je höher die Hierarchie, desto dünner die internationale Besetzung.

Kann nationale Identität im Zeitalter des Internet die Basis für gute Zusammenarbeit sein? Ich meine: nein. Wichtiger als die Herkunft wird das gemeinsame Verständnis über Werte und Ziele sein. Wo setzen wir dem Computereinsatz Grenzen? Wie schulen wir unsere Kinder im Umgang mit der Technik? Wie bewältigen wir das Innovationstempo? Und meines Erachtens die wichtigste Frage: Welchem Ziel dient der technische Fortschritt?

In einer Entwicklungsregion beispielsweise ist der Nutzen der Technik viel stärker die Triebkraft der Entwicklung als in Wohlstandsstaaten wie Deutschland, Frankreich oder den USA. Bei den Diskussionen der Europäer über die Gefahren der Vernetzung wird gerne übersehen, daß sich Diktaturen durch die Ausbreitung der Datennetze heute schlechter abschotten können, also Meinungsfreiheit und Demokratie schwerer zu verhindern sind. Andererseits ist es spannend, wie Menschen in Deutschland kulturelle und ethische Aspekte des Internet auch in bezug auf Tradition und Geschichte des Landes erörtern. Und bei allem Tempo investieren Manager hier viel Zeit in die Kundenpflege.

Doch gerade wir IT-Manager reden zuviel über technische Vernetzung. Die Datenautobahn ist das Einfallstor für einen Wertewandel. Ich halte es für die spannendste Herausforderung der Globalisierung, daß wir einen Wertekodex jenseits nationaler Grenzen schaffen und neue internationale Identitäten entstehen lassen können.