Internet-Telefonie bedroht TK-Jobs

Jürgen Mauerer betreibt als freier Journalist ein Redaktionsbüro in München.
Im Zuge von Voice over IP (VoIP) verschieben sich die Anforderungen im TK-Arbeitsmarkt: Die Anbieter brauchen mehr Mitarbeiter in Marketing und Vertrieb, während Techniker um ihre Stelle fürchten müssen.

Das Telefonieren über das Internet ist derzeit eines der großen Themen der IT- und TK-Branche. Laut einer Studie von Deloitte Consulting nutzen rund 14 Prozent der deutschen Unternehmen die VoIP-Technologie, die auf Basis des Internet Protocol die Sprachübertragung über ein paketvermitteltes Datennetz erlaubt. Das Potenzial der Privatanwender, die ihren Festnetzanschluss zugunsten eines Breitbandanschlusses mit VoIP kündigen könnten, liegt den Marktforschern zufolge bei rund 30 Prozent, Tendenz steigend.

Hier lesen Sie...

  • warum Voice over IP bestimmte Tätigkeiten überflüssig macht;

  • welche Mitarbeiter VoIP-Anbieter suchen;

  • wie die Internet-Telefonie klassische Festnetzanbieter unter Druck setzt;

  • was gefährdete Mitarbeiter tun können, um sich weiterzubilden.

Mehr Umsatz = mehr Mitarbeiter

Dan Bieler, Analyst bei der Beratungsfirma Ovum, bestätigt diesen Trend: "Konvergente Dienstleistungen werden künftig sehr wichtig, da der Sprach- und Datenverkehr zusammenwachsen und langfristig über ein einziges Netz verlaufen wird. Die Unternehmen investieren daher immer mehr in VoIP und IP-VPN (Virtual Private Network)." Deutschland befindet sich im internationalen Vergleich noch weit hinten, so Bieler, in den nächsten beiden Jahren sind aber hohe Wachstumsraten zu erwarten.

Berlecon-Marktforscher Thorsten Wichmann: "In den TK-Abteilungen werden zahlreiche technisch ausgerichtete Arbeitsplätze verloren gehen."
Berlecon-Marktforscher Thorsten Wichmann: "In den TK-Abteilungen werden zahlreiche technisch ausgerichtete Arbeitsplätze verloren gehen."

Das gleiche Bild ergab eine Umfrage der COMPUTERWOCHE unter Unternehmen, die im VoIP-Markt tätig sind, darunter Telefónica Deutschland, Colt Telecom, T-Online und Cisco. Sie alle rechnen mit einem Umsatzwachstum, das mit einer Neueinstellung von Mitarbeitern verbunden sein wird. Die Prognosen sind allerdings eher verhalten, keines der Unternehmen will sich auf genaue Zahlen festlegen - weder bei der Umsatzerwartung noch beim Arbeitskräftebedarf.

Für den Netzwerkanbieter Cisco ist IP-Kommunikation ein sehr interessanter Markt. "Wir wachsen in diesem Bereich, und mit den Umsätzen erhöht sich auch die Zahl der Beschäftigten", erklärt das Unternehmen lapidar. Gesucht würden Mitarbeiter im VoIP-Vertrieb und in der technischen Vertriebsunterstützung (System Engineering), die vor allem Qualifikationen aus der Netzwerkwelt mitbringen.

Auch Colt Telecom hat wegen VoIP Mitarbeiter eingestellt. Es betreibt als Dienstleister die Telefonanlagen seiner Kunden, die diese ausgelagert haben. Die neuen Kollegen sind Marketing-Leute, Produkt-Manager und technische Berater, die VoIP einführen können und sich zudem in der alten TK-Welt auskennen, formuliert Colt seine Anforderungen.