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Internet-Surfer verlieren fast eine Milliarde Dollar wegen Online-Datenklau

23.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Gartner hat in einer Untersuchung bei 5.000 US-amerikanischen Online-Käufern herausgefunden, dass hochgerechnet etwa 2,4 Millionen Internet-Surfer in den vergangenen zwölf Monaten rund 929 Millionen Dollar wegen verschiedener krimineller Delikte wie etwa Phishing, dem damit verbundenen Kreditkartenmissbrauch oder dem Einbruch in Datensysteme und daraus resultierenden Betrügereien verloren haben. Rund die Hälfte der 148 Millionen US-amerikanischen Internet-Nutzer glauben, mindestens einmal eine Phishing-E-Mail erhalten zu haben. Das wäre ein Anstieg gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres von 28 Prozent, schreibt Gartner in der Studie.

Die Folgen dieser so genannten Identity-Theft-Vorkommnisse für den E-Commerce und das Online-Banking sind gravierend, wie Gartner weiter herausfand. Mehr als 42 Prozent aller für die Untersuchung Befragten werden ihre Online-Einkäufe einschränken. Immerhin noch 28 Prozent derer, die ihre Bankgeschäfte online erledigen, werden künftig das Medium Internet für diese Transaktionen ebenfalls sehr viel zurückhaltender nutzen.

Die Marktforscher schätzen, dass die Zuwachsraten beim E-Commerce und Online-Banking wegen der vielfältigen Sicherheitsprobleme in den kommenden drei Jahren zwischen einem und drei Prozent geringer sein werden. "Die Konsumenten verlieren wegen der Attacken und der publik gewordenen Vorfälle von Datenverlusten das Vertrauens", sagte Gartner-Analystin Avivah Litan. Die einzige Art, wie Konsumenten auf die vielfältigen Vorfälle von Datenklau und Online-Betrug reagieren könnten, so Litan weiter, sei durch ihr Online-Verhalten. Dieses scheint sich wegen der überhand nehmenden Online-Betrugsdelikte signifikant zu ändern.

Nach der Untersuchung werden 72 Prozent der Befragten bei Online-Käufen sehr viel vorsichtiger sein als bisher. Zwei Drittel überlegen es sich jetzt genau, welche Daten sie im Internet überhaupt noch angeben. Immerhin noch jeder Dritte wird weniger im WWW einkaufen als bisher.

Auch Finanzinstitute müssen sich erhebliche Gedanken über ihr Online-Banking-Geschäftsmodell machen. Immerhin 14 Prozent aller für die Gartner-Studie Interviewten gaben an, sie würden ihre Rechnungen nicht mehr online bezahlen. Vier Prozent wollen sogar alle Online-Banking-Aktivitäten stoppen. Und 77 Prozent der Befragten werden sich weniger häufig auf der Homepage ihrer Bank einloggen.

Die gesamte Industrie stehe jetzt vor einer Zeitenwende. "Wir können nicht mehr so tun, als sei alles Business as usual", sagte die Gartner-Analystin, "Wir befinden uns an einem Wendepunkt. Jeder, mit dem man spricht, geht davon aus, dass seine Daten nicht sicher sind". Wenn die Industrie auf diese Bedrohung nicht reagiere, könne die Zukunft des E-Commerce

auf dem Spiel stehen. (jm)