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35 Prozent mehr legale Downloads

Internet für deutsche Musikbranche immer wichtiger

24.03.2010
Das Internet wird für die deutsche Musikindustrie immer wichtiger - bleibt aber ein Nischenmarkt.

Vom Gesamtumsatz der Branche von 1,803 Milliarden Euro im vergangenen Jahr (2008: 1,842 Milliarden) gingen 118,3 Millionen auf das Konto von Musikdownloads. Das seien 34,6 Prozent mehr als im Vorjahr (87,9 Millionen Euro), teilte der Bundesverband Musikindustrie (BMVI) am Mittwoch in Berlin mit.

BMVI-Chef Dieter Gorny bei der Jahres-Pressekonferenz 2009. (Foto: BMVI/Markus Nass)
BMVI-Chef Dieter Gorny bei der Jahres-Pressekonferenz 2009. (Foto: BMVI/Markus Nass)

Allerdings verursache die "Kostenlos-Kultur" von Raubkopierern noch immer einen hohen Schaden, sagte Verbandspräsident Dieter Gorny. Trotz des stark gestiegenen Musikkonsums habe die Branche in den vergangenen zehn Jahren 40 Prozent ihrer Umsätze und Arbeitsplätze verloren.

Zwar sei im vergangenen Jahr die Zahl illegaler Downloads von 316 Millionen auf 258 Millionen deutlich zurückgegangen. Die Internetpiraterie zehre aber weiter an der wirtschaftlichen Grundlage des Kreativsektors. "Wenn wir hochwertige Inhalte wollen, werden wir dafür bezahlen müssen", betonte Gorny.

Der einstige Gründer des Musikkanals Viva griff Tauschbörsen und sogenannte Sharehoster an, die im Internet Dateien von Anwendern speichern und zur illegalen Verbreitung geschützter Inhalte genutzt werden. Die Bundesregierung müsse bald Schritte zum Schutz des Urheberrechts unternehmen. Sonst werde es der auch Buchbranche, den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen sowie den Filmproduzenten so ergehen wie der Musikindustrie.

Es müsse dabei nicht soweit kommen wie in Frankreich, wo Verstöße mit Abschaltung des Internetzugangs bestraft werden. Bisher setzte sich die Branche in Deutschland mit Abmahnungen zur Wehr. Die Musikindustrie würde darauf gerne verzichten und stattdessen zunächst Warnhinweise versenden. "Warnhinweise machen aber nur Sinn, wenn sie mit einer Sanktion verbunden sind", so Gorny weiter.

Deutschland überholte im ersten Halbjahr 2009 Großbritannien als drittgrößten Musikmarkt der Welt. Als besonders stabil hätten sich die CD-Verkäufe erwiesen, die im Vergleich zum Vorjahr (145,1 Millionen Euro) sogar um 1,5 Prozent auf 147,3 Millionen Euro gestiegen seien und rund 90 Prozent der Erlöse aus Musikverkäufen ausmachten. Umsatztreiber bei den Downloads waren laut BMVI die Musikalben (Bundles), deren Absatz um 65 Prozent auf 7,6 Millionen Euro stieg. Insgesamt lagen die Musikverkäufe, neben den CDs etwa auch Singles und DVDs, bei 1,53 Milliarden Euro (2008: 1,582 Milliarden).

Erstmals hat der Verband auch Zahlen für Einnahmen über neue Erlösquellen vorgelegt, etwa Merchandising, Künstler-Management und Pauschalvergütungen, die um elf Prozent von 110 Millionen (2008) auf 122 Millionen Euro zulegten und bereits sechs Prozent der Gesamterlöse ausmachen. (dpa/tc)