WhatsApp-Alternativen

Internationaler Boom für Threema und Telegram

27.02.2014
Der Kauf von WhatsApp durch Facebook hat europäische Nutzer des Kurznachrichten-Dienstes aufgeschreckt. In den App-Charts schießen Alternativ-Angebote nach oben. Es könnte eine größere Wanderung werden: WhatsApp hat allein in Deutschland rund 30 Millionen Nutzer.

Nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook haben Alternativ-Programme die Charts der App Stores erobert. Das von der Stiftung Warentest wegen seiner lückenlosen Verschlüsselung ausgezeichnete Programm Threema des Züricher Anbieters Kasper Systems führt in Deutschland sowohl im Google Play Store für Android-Smartphones als auch im iTunes-Store für iPhone-Apps die Liste der Bezahl-Anwendungen an. Threema kostet 1,59 Euro (Android) und 1,79 Euro für die Apple-Geräte.

Die Stiftung Warentest hatte mit Threema, Line, Blackberrys BBM und den Telegram Messenger vier WhatsApp-Alternativen getestet und dabei nur Threema als "unkritisch" bewertet. Die App aus der Schweiz bietet eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Auch beim Telegram Messenger werden die Daten von einem Handy bis zum anderen verschlüsselt übertragen - hier muss der Anwender allerdings erst den sogenannten Secret Chat aktivieren. Telegram wurde im vergangenen Jahr in Berlin von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow gestartet, die zuvor schon das meistgenutzte russische soziale Netzwerk Vk.com gegründet hatten.

Threema stammt von einer Schweizer Ein-Mann-Firma...
Threema stammt von einer Schweizer Ein-Mann-Firma...

Der Boom von Threema erstreckt sich vor allem auf den deutschsprachigen Raum und den arabischen Raum. So führt die Anwendung auch in der Schweiz und in Österreich sowie in Kuwait, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Charts der Bezahl-Apps an. Aber auch in den Niederlanden, Slowenien und der Slowakei liegt die App vorne.

Der Erfolg der Kostenlos-App Telegram Messenger ist nicht nur in Europa, sondern auch in Lateinamerika, dem Nahen Osten und in Australien zu beobachten.

Laut einer diese Woche veröffentlichten Umfrage kann sich in Deutschland rund jeder Dritte WhatsApp-Nutzer vorstellen, den Messenger-Anbieter zu verlassen. Zugleich sieht mehr als die Hälfte der Befragten den Kauf entspannt und will bei WhatsApp bleiben, wie eine gemeinsame Umfrage des Marktforschungsinstitut Advise mit dem Online-Panelanbieter respondi AG ergab. An der Erhebung, über die "Spiegel Online" berichtete, nahmen 1012 WhatsApp-Nutzer teil.

WhatsApp hat in Deutschland nach jüngsten Zahlen von Januar rund 30 Millionen aktive Nutzer.

...und hinter Telegram stecken russische Internet-Unternehmer. Beide Apps gibt es nur für iOS und Android.
...und hinter Telegram stecken russische Internet-Unternehmer. Beide Apps gibt es nur für iOS und Android.

Deutlich weniger Zuspruch erhalten die WhatsApp-Alternativen dagegen im Heimatland von Facebook, den USA. Hier werden die App-Charts für iOS und Android durchgängig von Spielen wie Flappy Wings angeführt.

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook kauft WhatsApp mit zuletzt 465 Millionen weltweiten Nutzern für insgesamt 19 Milliarden Dollar. Der Kurznachrichten-Dienst hatte stets betont, so wenig wie möglich Informationen seiner Nutzer zu speichern und sich nur über die Jahresgebühr von rund einem Dollar zu finanzieren. Facebook-Chef Mark Zuckerberg betonte Anfang der Woche, dass sein Netzwerk keine WhatsApp-Daten auswerten werde und der Messaging-Dienst weiterhin eigenständig agieren werde.

Unterdessen wurde der südkoreanische WhatsApp-Konkurrent Kakao in seiner jüngsten Finanzierungsrunde mit 2,4 Milliarden Dollar bewertet. Zu dieser Bewertung hätten Investoren noch vor dem Mega-Deal um WhatsApp zehn Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt, sagte Kakao-Chef Sirgoo Lee der "Financial Times" auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Kakao hat rund 130 Millionen Nutzer in Asien. (dpa/tc)