Vier Manager erzählen

Internationale Karriere in der IT

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Internationales Arbeiten gehört in der IT-Branche dazu. Welche Chancen sich bieten, zeigen unterschiedliche Karrierewege.
In Österreich und Norditalien arbeitete Carlo Wolf, Geschäftsführer von Cisco Deutschland.
In Österreich und Norditalien arbeitete Carlo Wolf, Geschäftsführer von Cisco Deutschland.
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Heute arbeiten immer mehr IT-Experten in internationalen Teams. Manche verlassen dafür nicht einmal ihren Schreibtisch, andere packen regelmäßig ihre Koffer, um mit Kollegen in Mailand, Madrid oder Moskau eng zu kooperieren, manchmal auch für länger. Wer neugierig, ehrgeizig und flexibel ist, dem eröffnen sich auf diese Weise interessante Perspektiven.

Als Sabine Bendiek 1988 bei Siemens- Nixdorf Informationssysteme ins Berufsleben startete, dachte sie noch nicht an eine internationale Karriere. Inzwischen lenkt sie als Geschäftsführerin die Geschicke von EMC Deutschland. "Ich habe immer Dinge gesehen, die mich begeistert haben, wollte Neues lernen und mit Menschen zusammenarbeiten, die ähnlich denken", beschreibt sie ihre Herangehensweise. Inter- essante Aufgaben und Teams waren ihr am wichtigsten, der berufliche Aufstieg kam von selbst.

Zum Master-Studium in die USA

Geplant hatte sie ihre Karriere bei EMC nicht, doch die studierte Betriebswirtin fühlt sich dort wohl. Während eines Master-Studiums in den Vereinigten Staaten lernte sie die amerikanische Art des Arbeitens kennen und schätzen. "Das unternehmerische Denken hat mir gut gefallen, kreativ und schnell zu agieren und Dinge umzusetzen", erzählt die 45-Jährige. Die Freiheit, Dinge auszuprobieren und Veränderungen anzuschieben, gehören auch dazu. Ihren Führungsstil beschreibt die Managerin als freundlich und verbindlich, sich selbst als kritikfähig: "Ich möchte von meinen Mitarbeitern hören, wenn ich Fehler mache."

Carlo Wolf leitet seit August 2010 als Geschäftsführer die Geschicke von Cisco Deutschland. Internationale Erfahrung sammelte der Manager allerdings nicht im Silicon Valley, sondern in Europa. Das erste Angebot kam von italienischen Kollegen beim Mittagessen. "Ich war ziemlich überrascht, bin nach Hause geflogen und habe zwei Tage später zugesagt", erinnert sich der Cisco-Manager an das Jahr 1999. Zwei Jahre lebte und arbeitete er mit seiner Familie in Norditalien, einige Jahre später schloss sich ein weiteres Auslandsengagement in Österreich an.

Systematisch geplant hat Wolf seine internationale Karriere nicht. "Mit den Jahren habe ich bei Cisco mehr Verantwortung übernommen, und deshalb war der Schritt ins Ausland auch eine logische Weiterentwicklung", erläutert Wolf, der lange Jahre den Vertrieb des Netzwerkausrüsters verantwortet hatte.

P.S. Schnelle Schneckenpost

Alle schwärmen von der schnellen und effizienten Arbeitsweise in US-amerikanischen Unternehmen. Allerdings scheint das für deren Presseabteilungen nicht ganz zuzutreffen. Die Fragen an den Manager eines großen IT-Unternehmens in den USA waren ähnlich denen, die mit anderen IT-Managern hierzulande diskutiert wurden. Statt Antworten kamen regelmäßige Mails und Anrufe mit der Bitte, den Abgabetermin doch zu verlängern, denn alle Antworten müssten zurück ins Amerikanische übersetzt und abgestimmt werden. Aber mit dem erneuten Aufschub sei alles machbar und überhaupt kein Problem. Nach einem fast dreiwöchigen Mail-Pingpong kam dann eine lapidare elektronische Nachricht: Man habe es leider nicht geschafft. Schade eigentlich.

Auch Kadir Dindar plante seine Karriere nicht generalstabsmäßig. "Mich faszinierte das Thema Marketing und wie sich die Beziehungen zwischen Kunden und Unternehmen mit dem Internet verändern werden. Mir war früh klar, dass die IT eine wichtige Rolle spielen wird", erinnert sich der 43-Jährige an seinen Berufseinstieg. Der studierte Betriebswirt wechselte nach mehreren Marketing-Positionen zu Chordiant Software, um sich intensiv mit CRM-Lösungen zu beschäftigen. Seit 2006 arbeitet er für SAS Institute, inzwischen als Head of Strategy für die Regionen Emea sowie Asien und Pazifik am SAS Center of Excellence in Heidelberg. Doch fast genauso gut wie die Stadt am Neckar kennt der Manager die Flughäfen der Welt.

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