Leistungssprung

Intels neue Atom-Generation für Micro-Server

Christian Vilsbeck war viele Jahre lang als Senior Editor bei TecChannel tätig. Der Dipl.-Ing. (FH) der Elektrotechnik, Fachrichtung Mikroelektronik, blickt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit Mikroprozessoren zurück.
Mit der neuen Atom C2000 Serie wird Intels ehemaliger Netbook-Prozessor mehr als nur salonfähig für den Einsatz in Servern. Die vielfach gesteigerte Performance und Energieeffizienz macht den komplett überarbeiteten Atom sogar zur Alternative zum Xeon.

Intels Atom-Prozessoren starteten 2008 mit dem Ziel, günstige und wenig Energie benötigende mobile Geräte zu ermöglichen. In den Netbooks feierten die CPUs auch entsprechende Erfolge. Doch mit dem Verschwinden der Netbooks wanderten die Atom-CPUs zunehmend auch in kleine Server und Storage-Geräten à la NAS. Dennoch haftet an Intels Atom der Nimbus der geringen Performance, auch wenn sich die Energieeffizienz sehen lassen kann.

Mit der neuen Atom-Generation für Server schüttelt Intel "Altlasten" der bisherigen Atom-Prozessoren ab. Eine komplett neue Mikroarchitektur mit bis zu acht Kernen sowie die moderne 22-nm-Fertigung sorgen für deutlich mehr Performance und nochmals verringerten Energiebedarf. Die neuen Server-Prozessoren mit dem Codenamen "Avoton" erhalten die Bezeichnung Atom C2000 Serie. Der Nachfolger der Ende 2012 vorgestellten Atom S1200 Serie ist für den Einsatz in Micro-Servern sowie auch Storage-Systemen (NAS) vorgesehen. Intel verspricht eine bis zu 14-fach höhere Rechenleistung sowie eine rund fünfmal bessere Energieeffizienz.

Alles drin: Intels neuer Atom C2000 mit Codenamen "Avoton" verfügt über bis zu acht Kerne und viele I/O-Schnittstellen.
Alles drin: Intels neuer Atom C2000 mit Codenamen "Avoton" verfügt über bis zu acht Kerne und viele I/O-Schnittstellen.
Foto: Intel

Einsatzszenarien für Atom-Prozessoren

Der Begriff der Mikroserver beschreibt eigentlich zwei Gerätegattungen. Zum einen sind damit kleine Server im Desktop-Gehäuse gemeint, die ideal für kleine Arbeitsgruppen oder Firmen mit rund zehn Mitarbeitern sind. Dann gibt es die Micro-Server à la Blades. Möglichst viele kleine Servermodule mit hoher Packungsdichte ergeben einen leistungsfähigen und energieeffizienten Cluster. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Hewlett Packards Moonshot-Server. Dieser "Software Defined Server" kann 45 Computing-Cartridges aufnehmen, die aktuell mit dem Atom S1260 bestückt sind. HP will künftig Einschübe mit dem neuen Atom C2000 "Avoton" anbieten. Auch das zu AMD zählende Unternehmen SeaMicro setzt mit dem SM15000 Fabric Compute System setzt auf dieses Konzept. Das Rack-System lässt sich wahlweise mit 64 Opterons, 64 Xeons oder eben 256 Atom-CPUs bestücken.

Das Einsatzszenario von Intels neuer Atom C2000 Serie in Micro-Servern reicht vom Web-Hosting kleiner Webseiten bis hin zu Scale-out-Architekturen für Cloud-Service-Provider. Während der Atom C2000 "Avoton" auch für NAS-Server vorgesehen ist, bietet Intel noch spezielle Modelle mit Codenamen "Rangeley" für Kommunikationsprodukte an. Diese Atom-C2000-Produkte sind wie die "Avotons" sogenannte SoC (System on Chip) mit integrierten I/O-Schnittstellen. Zusätzlich verfügen die Rangeley-Atoms über die QuickAssist-Technologie QAT. Dabei handelt es sich um eine Hardware-Beschleunigung für Kommunikations-Workloads wie AES, MD5, SHA2 oder RSA. Intel sieht die Atom C2000 Serie "Rangeley" für Produkte wie Router, Switches, Netzwerk- und Security-Appliances vor.