Appell der Controller

Intelligentes Controlling statt destruktives Cost Cutting

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Bei allen Sparzwängen dürfen Unternehmen nicht ihre Kunden und Märkte vergessen, mahnte jetzt der Internationale Controller Verein (ICV).

Ein intelligentes Kostenmanagement hat jetzt Siegfried Gänßlen, Vorstandsvorsitzender des ICV und CEO der Hansgrohe AG, anlässlich des alljährlichen ICV-Kongress in München gefordert. Vor 624 Controllern und Managern aus dem In- und Ausland stellte Gänßlen Anfang der Woche klar, dass auch in wirtschaftlich harten Zeiten ein Controlling nichts mit einem "destruktiven Cost Cutting um jeden Preis" zu tun habe dürfe. Es gehe vielmehr um Lösungen, die neue Wachstumschancen eröffnen und nicht darum, die bisher erbrachten Aufbauleistungen in Frage zu stellen.

Gegen harte Schnitte und Investitionsstopps

"Wir sind uns einig, dass die momentane Situation keine pure Kostenkrise ist. Harte Schnitte und radikale Investitionsstopps wären kein probates Mittel, um die Krise gestärkt zu überstehen", so Gänßlen. Der ICV-Vorsitzende erklärte, Controlling erschöpfe sich nicht in der Kalkulationsrechnung. Vielmehr komme es - neben einem intelligenten Kostenmanagement - "mehr denn je auch für unsere Disziplin darauf an zu wissen, was der Markt, was die Kunden wollen und was zusätzlichen Kundennutzen schafft" (siehe auch, wie Controller versuchen, mit der Finanzkrise umzugehen)

Laut Gänßlen stünden dem Controlling heute zahlreiche erprobte Instrumente zur Verfügung, mit denen man dem Kostenthema zu Leibe rücken könne, ohne in eine wilde Sparwut zu verfallen. Hierzu gehörten ein intelligentes Kostenmanagement, die Steuerung der Sales Power, Working Capital Management, kundenorientiertes Pricing oder ein modernes Budgetieren, das sich mit Begriffen wie Rolling Forecast und Contingency Planning verbinde (siehe auch, was Experten über die Zukunft des Risiko-Managements sagen).

Fiege gewinnt ControllerPreis

Ein gutes Beispiel für ein Controlling, das sich nicht mehr als reine Zahlen- und Reporting-Abteilung versteht, gibt laut ICV das Logistikunternehmen Fiege Stiftung GmbH & Co. KG, das auf dem Kongress mit dem "ControllerPreis 2009" ausgezeichnet wurde. Die Fiege Gruppe habe im Controlling einen grundlegenden Veränderungsprozess mit bemerkenswertem Augenmaß und großer Konsequenz vollzogen, hieß es seitens der Jury.

Bernd Voss, bisheriger Projektleiter bei Fiege und seit April 2009 Geschäftsführer Voss Federn GmbH, sagte bei der Preisverleihung: "Wir beraten mit wenigen Kennzahlen Verantwortliche im ganzen Unternehmen und stoßen Verbesserungsprojekte vor Ort an. Dazu war ein Rollenwandel der Controller vom papierwälzenden Erbsenzähler zum kundenorientierten Berater nötig. Und als die Verantwortlichen bemerkten, dass unsere Beratung nützlich ist, wuchs auch die Akzeptanz". Im Projektverlauf ging das Controlling-Team über die üblichen Benchmarking-Phasen hinaus, schilderte Voss. "Gute Ideen, die wir vor Ort vorgefunden oder entwickelt haben, sind in der Broschüre "100 good practices" unternehmensweit veröffentlicht worden".