Analysieren und sofort umsetzen

Intelligent Business Operations

Jürgen Krämer ist Vice President Analytics bei der Software AG.
Intelligent Business Operations heißt das neue Zauberwort. Die Methode kombiniert Analytics mit Workflow-Komponenten, um Analyseverfahren direkt in den Prozessen zu verankern und Ergebnisse sofort in Aktionen umzusetzen.
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Daten sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts, lautet das Credo der Analys-ten, und das virtuelle Datenöl sprudelt ungebremst. So üppig, dass es Unternehmen immer schwerer fällt, angestammte Analysewerkzeuge wie Data Mining sowie traditionelle Business-Intelligence- (BI) oder Offline-Analyse-Methoden effizient einzusetzen. Dabei rückt das Potenzial ungenutzter Informationen zunehmend in den Fokus der Geschäftswelt. Entscheider müssen eine Antwort finden auf die wichtige Frage: Wie entstehen intelligente Geschäftsoperationen aus dem Wust der Datenströme?

Gartner zufolge ist Intelligent Business Operations (IBO) ein Arbeitsstil, der durch operationale Intelligenz in Echtzeit geprägt ist und schnelle Business-Analysen mit den traditionellen Aktivitäten des täglichen Geschäft im Unternehmen verbindet. Klassische Business-Analytics-Tools liefern Analysen zeitverzögert, während IBO aktuelle Daten aus dem laufenden Betrieb abgreift und zeitnah bereitstellt. Nachgelagerte Auswertungen sind damit zwar nicht überflüssig, werden aber ergänzt durch kontinuierliche Geschäftsanalysen in Echtzeit, die intelligente Entscheidungen zeitnah ermöglichen.

IBO-Lösungen sollen Unternehmen also Möglichkeiten bieten, Daten zu analysieren und so Live-Einblicke in das laufende Geschäft zu gewinnen, um

  • bessere Entscheidungen zu treffen,

  • Entscheidungen zu beschleunigen,

  • Trends und künftige Entwicklungen abzuleiten,

  • geschäftskritische Ereignisse frühzeitig zu erkennen und

  • sich daraus Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Grundsätzlich gilt, bei den zur Verfügung stehenden Analyseplattformen die richtige Balance zwischen Skalierbarkeit und Flexibilität zu finden.

Die Entscheidung für eine eher skalierbare oder eher flexible und erweiterbare Lösung sollte auf Basis von drei Faktoren getroffen werden:

  1. in Abhängigkeit davon, was analysiert werden soll,

  2. unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Umgebung, in der das Unternehmen tätig ist, und

  3. nach dem Automatisierungsgrad der Prozesse.

Flexibles IBO

Agiert ein Unternehmen in einer dynamischen Umwelt und besitzt einen hohen Automatisierungsgrad, sollten die IT-Fachverantwortlichen eher auf Flexibilität als auf Skalierbarkeit setzen. Ideal für solche Unternehmen ist eine Plattform, die visualisierte Echtzeit-Einblicke in die Geschäftsprozesse erlaubt. Dabei liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Verbindung der Analysen mit den operativen Abläufen.

Gelingt dies, werden Unternehmen in die Lage versetzt, die Informationen aus den analysierten Geschäfts- und Prozessdaten zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Maßnahmen zu verknüpfen. Dadurch erhalten sie Einblicke in das operative Geschäft und die zugehörigen Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Kontinuierliche Analysen

Denn flexible IBO-Lösungen sind in der Lage, durch kontinuierliche Analysen anhand von stets aktuellen Kennzahlen ein verbessertes Situationsbewusstsein herzustellen und diese Einblicke je nach Kontext und Situation zur Entscheidungsfindung heranzuziehen, um daraus dynamisch die bestmögliche Aktion einzuleiten. Dies gilt gleichermaßen auch für automatisierte Geschäftsprozesse.

Business-Anwendern soll dabei sogar die Möglichkeit gegeben werden, Entscheidungen zu treffen und so Änderungen im Geschäftsablauf dynamisch vorzunehmen, ohne dass hierbei ein direkte Mitwirkung der IT erforderlich ist. Historische Datenanalysen ergänzen die IBO-Vorgehensweise und liefern zusätzliche Informationen, zum Beispiel für die Ursachenanalyse und taktische Prozessoptimierungen.

Warenausgang prüfen

Ein Manager in einem Handelsunternehmen möchte herausfinden, ob Waren rechtzeitig ausgeliefert wurden. Bisher mussten dazu unterschiedliche Systeme manuell geprüft werden, die den Warenausgang dokumentieren. Pünktliche Warenauslieferung ist ein Leis-tungsmerkmal - ein Key Performance Indicator -, das IBO-Systeme erfassen. Sie liefern nicht nur den Mechanismus, um KPIs nachgelagert zu messen, sondern erfassen diese auch in Echtzeit, so dass Ursachen für fehlerhafte Auslieferungen frühzeitig erkannt werden können. Operationale Intelligenz liefert also die Grundlage, Fehler flexibel und je nach Situation angepasst zu beheben, noch bevor deren Folgen eintreten und für den Kunden sichtbar werden.

IBO verknüpft unterschiedliche Datenquellen in einer heterogenen IT-Landschaft, liefert Live-Einblicke und erlaubt, diese mit Maßnahmen zu verknüpfen, wie etwa dem Anstoßen eines Prozesses, dem Aufrufen eines Dienstes oder dem Versenden einer Nachricht. Dabei werden verschiedene Techniken miteinander verknüpft:

  • Event Management: die Integration und Verarbeitung von Geschäftsereignissen liefert aktuelle Einblicke in das operative Geschehen.

  • Decision Management: schnellere und bessere Entscheidungen in der jeweiligen Situation.

  • BPM Flow Management: die Einleitung der richtigen Aktionen und Maßnahmen im richtigen Moment.

Das übergeordnete Paradigma dieser drei Elemente lässt sich unter dem Begriff "Next Best Action" zusammenfassen: Auf Basis der dynamischen Analyse aktueller Prozesse werden Entscheidungen getroffen und Aktionen angestoßen, um den Geschäftserfolg zu verbessern.