5x so gut wie fünf Jahre alte Server

Intel Xeon E5-2600 v3 schon getestet

Christian Vilsbeck war viele Jahre lang als Senior Editor bei TecChannel tätig. Der Dipl.-Ing. (FH) der Elektrotechnik, Fachrichtung Mikroelektronik, blickt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit Mikroprozessoren zurück.
Server mit den neuen Prozessoren Xeon E5-2600 v3 von Intel bieten die fünffache Rechenleistung und Energieeffizienz gegenüber fünf Jahre alten Rack-Einschüben mit Xeon-5500-CPUs. Das belegt ein erster exklusiver Test der TecChannel-Redaktion.

Trends wie Software-definded Server a la HP Moonshot mit unzähligen Atom-Prozessoren bestückt oder ARM-basierende Modelle ändern wenig daran: Die klassischen Rack-Server im 1U- und 2U-Format mit zwei Xeon-CPUs sind und bleiben die beliebtesten Rechner in den Serverräumen. Die trendigen neuen Server pochen auf hohe Packungsdichten sowie den geringen Energiebedarf der Architektur. In einigen Szenarien wie "Hyperscale-Rechenzentren mit speziell angepasster Software mögen neue Ansätze auch durchaus Sinn machen.

Doch kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch Großkonzerne, wollen oder können aus ihren Rechenzentren mit x86-Standard-Rackservern nicht heraus. Oft gibt es ja auch keinen Grund, den die üblicherweise verbauten 2-Sockel-Rack-Server bieten einfach das beste Preis-/Leistungsverhältnis. Die Hardware ist "Commodity" und günstig, die Software wie Windows Server 2008/R2 und Windows Server 2012/R2, Linux-Enterprise-Distributionen oder VMware-Installationen laufen einfach problemlos darauf.

Im Segment der Rack-Server mit zwei CPUs agiert Intel mit seinen Xeon-Prozessoren der Serien 5600, E5-2600 und E5-2600 v2 seit vielen Jahren sehr erfolgreich. Mit dem Xeon E5-2600 v3 bringt Intel nun seine nächste Generation von CPUs für 2-Sockel-Server an den Start. Doch was bringt IT-Verantwortlichen ein Wechsel auf die aktuelle Technologie, wenn die bereits erwähnten Vorgänger im Einsatz sind?

Xeon E5 v3 deutlich schneller

In Serverräumen erfolgt der Austausch der Rack-Einschübe im Allgemeinen alle drei bis eher fünf Jahre. In diesen Anschaffungszeitraum fallen hauptsächlich Rack-Server mit Intels Xeon 5500 und Xeon 5600 sowie AMDs Opteron 6100 und Opteron 6200. Beim Austausch dieser Server auf ein 2-Sockel-Rack-Modell mit dem neuen Xeon E5-2699 v3 steigt die Rechenleistung fast durchgehend um den Faktor 3 bis 5. Gegenüber dem direkten Vorgänger Xeon E5-2600 v2 steigt die Performance je nach Anwendung um gut 20 bis über 80 Prozent.

Topmodell: Der neue Xeon E5-2699 v3 arbeitet mit 18 Kernen und ist für den Betrieb in 2-Sockel-Servern ausgelegt.
Topmodell: Der neue Xeon E5-2699 v3 arbeitet mit 18 Kernen und ist für den Betrieb in 2-Sockel-Servern ausgelegt.

Die Leistungssteigerung erreicht der neue Xeon E5-2600 v3 durch mehr Kerne (bis zu 18 Cores), frischer Mikroarchitektur (Haswell mit AVX2) und schnellerem Speicher (DDR4-2133). Mit den Xeon-E5-2600-v3-Prozessoren schwenkt Intel auch auf eine neue Plattform über. Durch den neuen Sockel R3 sowie den DDR4-Speicherriegeln passen die v3-Xeons nicht in Server mit dem Vorgänger Xeon E5-2600 v2. Stören wird sich daran kaum jemand, denn ein CPU-Upgrade im Rechenzentrum machen die wenigsten.

Alte Server raus: Energieeffizienz um Faktoren besser

Viel wichtiger ist den IT-Verantwortlichen, welchen Gewinn an Effizienz der Austausch der Server bringt. Und hier hat Intels neue Generation einiges zu bieten: Die Energieeffizienz - also die Performance pro Watt - erhöht sich ebenfalls um mehr als das Drei- bis Fünffache gegenüber Servern mit Xeon 5500, Xeon 5600 oder AMDs Opteron 6100 und 6200. Selbst gegenüber dem Vorgänger Xeon E5-2690 steigt die Effizienz mit dem neuen Topmodell Xeon E5-2699 v3 um knapp 40 Prozent.

Wer übrigens auf das neue Stromsparmodell Xeon E5-2650L v3 setzt, bekommt eine rund 27 Prozent geringere Energieeffizienz als beim Topmodell. Zwar benötigt der Server mit zwei 2650er Xeons nur etwa die halbe Energie unter Last, die CPUs bieten aber auch entsprechend weniger Performance. Die Stromspar-Xeons - die zudem auch nur die Hälfte des Topmodells kosten - sind sehr gut geeignet, wenn die zur Verfügung stehende Energie im Rechenzentrum das Limit erreicht oder die Kühlleistung am Anschlag ist.

Fazit: Neuer Xeon E5 v3 konkurrenzlos

Schon für den Vorgänger Xeon E5-2600 v2 gibt es aus Sicht der Performance und Effizienz keine Konkurrenz in der x86-Welt. Mit dem neunen Xeon E5-2600 v3 enteilt Intel der Konkurrenz in Form eines AMD Opteron 6300 noch viel weiter.

Intels neues Topmodell Xeon E5-2699 v3 mit 18 Kernen rennt im 2-Sockel-Server einem Opteron 6380 um den Faktor 2 bis 3 davon. Bei der Betrachtung muss natürlich das Preisniveau berücksichtigt werden. Die Topmodelle des Xeon E5-2600 v3 sind rund doppelt so teuer als die der Opteron-6300-Serie. Doch selbst ein auf ähnlichem Preisniveau liegender Xeon E5-2650L v3 bietet immer noch die zweifache Effizienz eines Opteron 6380.

AMD kann - wie so oft in den letzten Jahren - weiterhin nur über die günstigeren Preise für die Prozessoren und die Plattform noch punkten; nicht umsonst sucht AMD sein Heil in ARM-basierenden Server-Prozessoren.

Für Insider: Details zum Xeon E5-2600 v3

Auf den folgenden Seiten finden Sie die Details und Features zu Intels neuer CPU-Serie Xeon E5-2600 v3.