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Intel und Via begraben das Kriegsbeil

08.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In einem gelinde gesagt überraschenden Schritt hat Intel gestern seine gesammelten Klagen gegen den taiwanischen Konkurrenten Via Technologies fallen gelassen. Im Klartext bedeutet dies, dass Via ab sofort offiziell Produkte fertigen darf, die nicht nur mit Intels x86-Prozessorbefehlssatz, sondern darüber hinaus mit der gesamten 32-Bit-Architektur von Intel kompatibel sind.

Intel hatte die Inselchinesen seit September 2001, als Via einen SDRAM-Chipsatz für den Pentium 4 herausgebracht hatte, mit einer wahren Flut von Klagen überzogen, die sich später auch auf den "C3"-Prozessor bezogen. Via wiederum reagierte darauf mit Gegenklagen. Zuvor hatten sich beide bereits Ende der 90er Jahre um einen Pentium-III-Chipsatz vor Gericht duelliert. Gestern legten nun beide Firmen insgesamt 11 anhängige Verfahren in fünf Ländern bei, in denen es um zusammen 27 Patente ging. Sowohl Intel als auch Via verzichten auf jegliche Ansprüche und vereinbarten für die kommenden zehn Jahre eine Überkreuzlizenzierung ihres jeweiligen Patentportfolios.

Im Zuge der Übereinkunft hat Intel Via eine Lizenz für x86-kompatible CPUs gewährt, mit der Einschränkung allerdings, dass diese weder Pin- noch Bus-kompatibel zu den eigenen Prozessoren sein dürfen. In den ersten drei Jahren wird Intel seine diesbezüglichen Rechte aber nicht geltend machen. Intel gewährt Via außerdem für vier Jahre eine Lizenz zur Fertigung von Chipsets, die mit Intels Prozessor-Bus kompatibel sind. Im folgenden fünften Jahr wird der Barrett-Konzern auch in diesem Bereich seine Patente nicht durchsetzen. Für einige der Produkte zahlt Via Lizenzgebühren. Effektiv kann Via damit fünf Jahre lang Produkte fertigen, die in Intel-kompatible Motherboards passen. Erst längerfristig müssen die Taiwaner ähnlich wie Advanced Micro Devices (AMD) eine eigene Architektur entwickeln.

Welche Absicht Intel mit dem zeitlich befristeten Freifahrtschein für den Konkurrenten verfolgt, ist jedoch unklar. Ein Intel-Sprecher erklärte gestern lediglich, man mache "reinen Tisch", nachdem man sich vor zwei Jahren zunächst nicht habe einig werden können. Für Via wird damit jedenfalls der Weg frei zu einer AMD-ähnlichen Position - sprich, x86-Wettbewerb, den Intel zu tolerieren bereit ist und der sich bei Kartellbehörden immer gut macht. In den Prozessor- und Chipsatzmarkt hatte sich der taiwanische Hersteller nach und nach mit der Übernahme der Cyrix-Sparte von National Semiconductor, IDTs Centaur-Bereich sowie der Halbleitertechnik von S3 eingekauft. (tc)