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Intel und IBM zahlen in Anti-SCO-Kriegskasse

12.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Intel und IBM zahlen in einen neuen Fonds ein, der Linux-Anwender im Falle von Copyright-Klagen der SCO Group schadlos halten soll. Initiiert hat die Kriegskasse das Open Source Development Lab (OSDL), unter anderem Brötchengeber von Linux-Urheber Linus Torvalds. "Die Anwender sollen weiter ruhig schlafen können", erklärte OSDL-CEO Stuart Cohen. "Wir möchten nicht, dass sich das Momentum oder der Einsatz von Linux verlangsamen."

Zusagen über drei Millionen Dollar hat das OSDL bereits erhalten, insgesamt hofft die Organisation auf Spenden von zehn Millionen Dollar. Weder Intel noch IBM wollten die Höhe ihrer Beiträge konkretisieren. Ebenfalls eingezahlt hat der Embedded-Spezialist Monta Vista Software. Intel ist zwar seit langem strategischer Partner von Microsoft, profitiert aber auch nicht unerheblich von Verkäufen mit Servern, die unter dem Open-Source-Betriebssystem Linux laufen.

SCO-Chef Darl McBride erklärte unterdessen, seine Firma habe eine "sehr kurze Liste" möglicher legaler Ziele und plane, bis Februar einen Linux-Anwender zu verklagen. Das werde wahrscheinlich ein prominentes Unternehmen sein, das Linux umfänglich einsetze und gleichzeitig eine Lizenz für Unix besitze, die dessen Verwendung spezifiziere. "Egal wie viel Geld in einem Verteidigungs-Fonds steckt - das schützt niemanden, wenn er schuldig ist", drohte McBride.

Intel-Sprecher Chuck Molloy kritisierte, dass SCO noch immer keine Details zu seinen Vorwürfen veröffentlicht hat, Linux verstoße gegen das Copyright an Unix System V. "Das hindert die Linux-Community daran, Schritte zur Behebung des Problems zu unternehmen, falls solche tatsächlich nötig sein sollten", sagte der Intel-Mann.

McBride kündigte an, SCO werde am heutigen Montag im Zuge seiner Klage gegen IBM vom März vergangenen Jahres weitere Informationen einreichen. Im Dezember hatte ein Gericht SCO dazu verpflichtet, IBMs angebliche Urheberrechtsverstöße zu belegen (Computerwoche online berichtete). "Jedermann hat von uns verlangt, dass wir den Code herzeigen", warnte der SCO-Chef. "Aber Vorsicht mit dem, was Sie verlangen - denn wir werden das und noch eine Menge mehr vorlegen."

OSDL-Chef Cohen zufolge soll der neue Fonds einen bereits vorhandenen und mit einer Million Dollar dotierten ergänzen, den der Linux-Distributor Red Hat im vergangenen August eingerichtet hatte. Dieser ist allerdings zum Schutz von Entwicklern und Distributoren konzipiert, nicht von Endnutzern. Am weitesten hat sich bis dato Hewlett-Packard aus dem Fenster gelehnt. Der Hersteller hatte im vergangenen September angekündigt, alle Kunden schadlos zu halten, die ab Oktober 2003 Linux auf HP-Computern gekauft haben (Computerwoche online berichtete).

Der OSDL-Fonds wird auch eventuelle Gerichtskosten für das OSDL selbst sowie für Torvalds übernehmen. Beide haben im Prozess SCO gegen IBM Vorladungen erhalten. Für die Prozesskosten von IBM wird er nach Aussagen von Konzernsprecherin Trink Guarino indes nicht aufkommen. (tc)