Rekordzahlen für 2010

Intel strotzt vor Zuversicht

14.01.2011
Intel hat das Jahr 2010 mit Rekordzahlen abgeschlossen. 2011 soll sogar noch besser laufen.

Dabei steht der Branchenprimus vor einer Bewährungsprobe: Neue mobile Geräte wie Apples iPad nagen am klassischen PC-Geschäft. Intel eilt von Rekord zu Rekord: Im Schlussquartal rissen die Kunden dem Branchenprimus die Prozessoren förmlich aus der Hand. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar (umgerechnet 8,6 Milliarden Euro). Der Gewinn stieg sogar um 48 Prozent auf unterm Strich 3,4 Milliarden Dollar.

Hat gut Lachen: Intel-Chef Paul Otellini
Hat gut Lachen: Intel-Chef Paul Otellini

"2010 war das beste Jahr in Intels Geschichte", sagte Konzernchef Paul Otellini am Donnerstag am Firmensitz im kalifornischen Santa Clara. "Wir glauben, dass 2011 sogar noch besser wird." Die Anleger teilten die Euphorie - mit einem derart guten Abschneiden hatten sie nicht gerechnet. Nachbörslich stieg die Aktie um knapp drei Prozent.

Während sich die Privatkunden am Ende des Jahres etwas zurückhielten, griffen die Firmenkunden nach den Worten von Finanzchef Stacy Smith weiter beherzt zu. Vor allem die Prozessoren für Server hätten sich blendend verkauft, sagte Smith (PDF). In der Wirtschaftskrise hatten viele Unternehmen an der Computerausstattung gespart. Nun haben sie Nachholbedarf.

Ob der Boom indes anhält, ist ungewiss: Die Marktforschungsfirma Gartner hat festgestellt, dass vor allem die Privatkunden verstärkt zu einem Tablet-Computer mit berührungsempfindlichem Bildschirm statt zu einem klassischen Heim-PC oder Notebook greifen. Apple hatte den Umbruch mit seinem iPad angestoßen, mittlerweile gibt es eine wahre Flut an Geräten unterschiedlichster Hersteller.

Und hier fangen die Probleme von Intel an: Der Chipriese, der rund 80 Prozent des PC-Marktes beherrscht, hat den Wandel hin zu kleinen, mobilen Geräten verschlafen. Fast alle Smartphones und der Großteil der Tablet-Computer laufen mit Prozessoren, die auf Designs der britischen Firma ARM basieren. Deren Chips verbrauchen deutlich weniger Strom als die Intel-Pendants - wichtig bei mobilen Geräten, deren Akku möglichst lange durchhalten soll.

Doch Konzernchef Otellini ist davon überzeugt, dass die Nachfrage nach neuen PCs anhält: "Es gibt etliche Leute, die noch nicht auf Windows 7 umgestellt haben." Das Betriebssystem ist der Verkaufsschlager von Microsoft - und wird zumeist mit einem neuen Computer verkauft. Intel-Finanzchef Smith rechnet damit, dass der Konzernumsatz in diesem Jahr um weitere zehn Prozent gegenüber dem Rekordniveau von 2010 zulegen wird.

Bei den neuen "Sandy-Bridge"-Chips ist die GPU gleich mit an Bord.
Bei den neuen "Sandy-Bridge"-Chips ist die GPU gleich mit an Bord.
Foto: Intel

Firmenchef Otellini zählte gleich mehrere Gründe für seine Zuversicht auf: Die Wirtschaft werde sich weiter erholen; in den Schwellenländern kämen viele neue Kunden hinzu. "Ein Computer wird erschwinglich für sie." Zudem hätte Intel die beste Technik aller Zeiten am Start. Die neue Prozessorgeneration "Sandy Bridge" hat den Grafikchip direkt mit eingebaut.

Mit Zukäufen versucht Intel, auch den Anschluss bei mobilen Geräten wiederzufinden. So übernimmt der Konzern die Mobilfunk-Sparte von Infineon für 1,4 Milliarden Dollar. Die Münchener stellen fast das komplette Innenleben eines Handys her.

Gegenüber dem kleineren Rivalen AMD hat Intel den gewaltigen Vorteil, kerngesund in den Umbruch zu gehen. AMD schreibt seit langem Verluste. Auch der bisherige Konzernchef Dirk Meyer bekam die Probleme letztlich nicht in den Griff. Er musste am Dienstag seinen Hut nehmen. (dpa/tc)