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Intel streitet alle AMD-Vorwürfe ab

02.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Intel hat in seiner Erwiderung auf die Klageschrift von Advanced Micro Devices (AMD) von Ende Juni 2005 sämtliche dort aufgeführten Anschuldigungen abgestritten. AMD antwortete in einer ersten Einschätzung, Intels Erwiderung sei nicht verwunderlich in Anbetracht dessen, was das Unternehmen zu verbergen trachte. Aber die Fakten der illegalen Nutzung seines Monopols seien klar und unwiderlegbar.

Intel hat in seiner 63 Seiten langen Antwort an das US-amerikanische Distriktgericht in Delaware unter anderem bestritten, ein Monopol auf PC-Prozessoren zu besitzen. Intel widersprach auch der von AMD geäußerten Beschuldigung, der Marktführer blockiere Geschäftsbeziehungen von AMD mit PC-Herstellern, indem es Druck auf diese ausübe.

Intel wehrte sich gegen die Behauptung, es benutze Mafia-ähnliche Methoden, um auf PC-Anbieter Druck auszuüben, sie einzuschüchtern und ihnen mit wirtschaftlichen Nachteilen zu drohen für den Fall, dass sie sich auf Geschäftsbeziehungen mit AMD einließen.

Es werde sich zeigen, schreibt Intel in seiner Klageerwiderung, dass AMD an jedem Rückschlag und jedem Versagen, wofür es jetzt Intel verantwortlich macht, selbst die Schuld trägt.

Intel reklamiert im Besonderen, dass seine große Dominanz im Prozessormarkt von der überlegenen Leistung und Preisgestaltung der Intel-CPUs und nicht von den Wettbewerb verzerrenden Aktionen seitens Intels herrühre. Viele der Probleme, die AMD gewärtigt habe, seien mit mangelnden Produktionskapazitäten zu erklären.

AMD könne äußerstenfalls reklamieren, dass Intel Strategien für Preisreduzierungen sowie Anreize für Kunden habe. Solche Geschäftsgebaren würden aber allgemein preisgünstigere Intelprodukte zur Folge haben.

Intel versucht in seiner Klageerwiderung zudem, eine Anschuldigung von AMD als unlogische Argumentation darzustellen. Einerseits behaupte AMD, Intel besitze ein Monopol, das es erlaube, höhere Preise zu verlangen. Diese Monopolsituation erreiche Intel, indem es die Preise senke. Hier sei ein offensichtlicher Widerspruch zu konstatieren.

AMD könnte sich in diesem Punkt möglicherweise in gewisse Probleme manövrieren: Wenn das Unternehmen beweisen will, dass Intel durch seine Geschäftsgebaren die Preise für Konsumenten in die Höhe treibt und ihnen damit schadet, müsste AMD belegen, dass die PC-Preise allgemein niedriger lägen, würde Intel seine Marktmacht nicht missbrauchen.

Einige der AMD-Anschuldigungen kontert Intel eher vage. Einer der Anwürfe lautete, viele PC-Hersteller wie Dell, Sony, Toshiba, HP, IBM oder NEC würden aus Angst vor Benachteiligungen durch Intel entweder gar keine Geschäftsbeziehung mit AMD aufnehmen oder zumindest nur in sehr geringem Umfang Geschäfte mit dem Prozessorhersteller treiben. Intel erwiderte hierauf, man wisse nicht, welche Überlegungen die PC-Hersteller angestellt hätten, als sie ihre Entscheidungen getroffen hatten. Prinzipiell entbehrten die Beschuldigungen jedoch jeder Grundlage.

Auch sei die Behauptung von AMD völlig aus der Luft gegriffen, Intels ehemaliger Chief Executive Officer (CEO) Craig Barrett habe anlässlich eines Besuchs im taiwanischen Hauptquartier von Acer Drohungen ausgestoßen, um das Unternehmen an einer Zusammenarbeit mit AMD zu hindern. Vielmehr habe Barrett sich mit Acers Vorstandsvorsitzenden Stan Shih ausschließlich über die Entwicklung der Industrie und über Techniktrends unterhalten. Dies habe Shih auch öffentlich bereits erklärt. (jm)