IDF

Intel stellt neue Atom-Prozessoren vor

15.09.2010
Intel will mit einer Palette neuer "Atom"-Prozessoren den Markt für mobile Internetgeräte im Sturm erobern.

Auch die Fernseh-Unterhaltung soll künftig mit Hilfe von Intels Atom- Chips in die Wohnzimmer kommen. Auf dem Intel Developer Forum (IDF) in San Francisco stellte Intel am Dienstag neben neuen Tablet-PCs auch Lösungen für ein vernetztes Internet-Fernsehen vor.

Intel-Manager Doug Davis präsentiert bei IDF 2010 einen Atomm-600-Wafer (Fotos: Intel)
Intel-Manager Doug Davis präsentiert bei IDF 2010 einen Atomm-600-Wafer (Fotos: Intel)

Im derzeit boomenden Geschäft mit neuen Tablet-PCs will Intel eine zentrale Rolle spielen. "Das Ökosystem der neuen Tablet-PCs explodiert gerade", sagte Intel-Manager Doug Davis. Bereits nächstes Jahr werde es 20 Millionen solcher Geräte auf dem Markt geben. Auch der Markt der kleinen Mini-Rechner stehe zwei Jahre nach dem ersten Netbook erst am Anfang. Intels neuer Chip "Oak Trail" aus der Atom- Reihe soll künftig speziell für diese Geräteklassen der maßgefertigte Prozessor sein.

Über viele Jahre hatten die Tablet-PCs eher ein Nischendasein gefristet. Mit Apples neuem iPad erlebt die Gerätekategorie derzeit eine glanzvolle Renaissance. Intels Atom-Prozessoren haben sich zwar bei den kleinen Netbooks durchgesetzt, sind im wachsenden Markt der Tablets aber noch längst kein Standard. Marktführer Apple zum Beispiel entschied sich für sein iPad lieber für ein eigenen Chip auf Basis eines Designs vom Intel-Konkurrenten ARM.

Zahlreiche Hersteller haben nach dem großen Erfolg von Apples iPad inzwischen eigene Modelle im Portfolio. Intel zeigt auf seinem Developer Forum in San Francisco eine ganze Reihe von Geräten mit Atom-Prozessor, unter anderem von Asus, Acer und Dell. In den meisten arbeiten noch die Vorgänger, Oak Trail soll erst Anfang kommenden Jahres auf den Markt kommen.

Das WeTab hat einen Atom-Prozessor und läuft mit dem Meego-Linux von Intel/Nokia. (Foto: WeTab GmbH)
Das WeTab hat einen Atom-Prozessor und läuft mit dem Meego-Linux von Intel/Nokia. (Foto: WeTab GmbH)
Foto: WeTab GmbH

Der texanische Hersteller Dell präsentierte zum Beispiel ein neues Tablet, das mit einem im Rahmen drehbaren Display clever eine Tastatur verbirgt. Auch das "WeTab" der deutschen Firmen 4tiitoo und Neofonie war mit dabei. Der Technikchef des Hardwareherstellers 4tiitoo, Stephan Odörfer, präsentierte das Gerät, das kommende Woche nach vielfacher Verzögerung erstmals in Deutschland auf den Markt kommen soll. Vor einigen Monaten erst hatten sich die Entwickler für Intels MeeGo als Betriebssystem entschieden. MeeGo sei einfach besser für Tablets als Googles Android geeignet, das für Smartphones optimiert sei, sagte Odörfer.

Auch in den Wohnzimmern will Intel künftig mitspielen. Der neue Atom-Prozessor "CE4200" soll die nahtlose Verbindung von Internet und Fernsehen ermöglichen. Das Chipsystem unterstützt 3D-Inhalte und soll künftig auch die bruchlose Übertragung von Fernsehfilmen auf mobile Geräte ermöglichen. Intels Chip soll dafür sorgen, dass die verschiedenen Formate ohne große Zeitverzögerung dabei umgerechnet werden.

Entwicklern will das Unternehmen spezielle Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit dessen Hilfe sie ihre Anwendungen für unterschiedliche Geräte nur einmal schreiben müssen. In San Francisco ist auch Sonys neues Internet-TV mit Google-Betriebssystem zu sehen, in dem ebenfalls ein Atom-Chip arbeitet. Sony hatte das "Sony Internet TV powered by Google" bezeichnete Internet-Fernsehen bereits kurz auf der IFA in Berlin vorgestellt. Intel-Chef Paul Otellini demonstrierte, wie der Nutzer im Web surfen und gleichzeitig in einem kleinen Bild eine Fernsehsendung verfolgen kann. (dpa/tc)

AppUp: Intel eröffnet eigenen App Store

Apple und Google haben es vorgemacht: Mit der wachsenden Zahl mobiler Internet-Geräte sind Online-Stores für Anwendungen (Apps) ein boomendes Geschäft. Nun will sich auch Intel ein Stück vom Kuchen sichern. Der weltgrößte Chiphersteller kündigte am Dienstag seinen ersten eigenen Online-Softwareladen für Netbooks unter dem Namen "AppUp" an.

In seinem neuen App-Store will Intel künftig kostenlose und kostenpflichtige Software anbieten, sagte Intel-Managerin Renee James auf dem Intel Developer Forum in San Francisco. Zum Start soll unter anderem Adobe-AIR-Applikationen sowie von Software Barnes & Nobles und Konami zur Verfügung stehen. Für den weltweiten Vertrieb hat Intel Verträge mit Elektronikläden wie der amerikanischen Kette Best Buy, dem britischen Dixons und Croma in Indien geschlossen. Auf den dort verkauften Netbooks soll die Zugangssoftware für Intels AppUp-Store vorinstalliert sein.

Der taiwanische Hersteller und Netbook-Erfinder Asus werde seine Geräte ab Oktober mit einer eigenen Version von Intels AppUp-Center ausstatten, kündigte James an. Software-Programmierer will Intel in einem umfangreichen Entwickler-Programm mit Beratung und Finanzierung unterstützen.

Intel drängt mit seinen Prozessoren derzeit mit Macht in den Markt der Smartphones und kleinen mobilen Internet-Geräte, in dem bislang vor allem Produkte der Wettbewerber zu finden sind. Gemeinsam mit Nokia hat der Chiphersteller auch die eigene, auf Linux basierende Betriebssystems-Plattform MeeGo entwickelt. Für den Erfolg der Geräte und Betriebssysteme ist ein attraktives Angebot von Anwendungen unerlässlich. Auch für Apple hat sich sein App-Store zur Goldgrube entwickelt. Über Apples App-Store iTunes wurden bereits fünf Milliarden der kleinen Anwendungen, die in der Regel für kleine Beträge oder auch kostenlos heruntergeladen werden können, abgesetzt.