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Intel sieht den PC mittelfristig als Kommunikationszentrale

22.05.2007
Geht es nach Intel, dann braucht man im Büro zum Telefonieren und für Videokonferenzen bald nur noch einen PC. Einen mit Intel-Prozessor, versteht sich.

Eine entsprechende, längerfristig angelegte Kampagne entwickelt der weltgrößte Chiphersteller einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge. Bislang sei es darum gegangen, das Internet zur Senkung der Kommunikationskosten zu nutzen. In der nächsten Phase gehe es nun darum, neue Features zu ermöglichen, erklärte Steve Grobman, der als Director of Business-Client Architecture in das Projekt involviert ist. "Es geht vor allem darum, wer die beste Erfahrung ermöglichen kann", so der Intel-Mann.

Unternehmensanwendern stellt er Möglichkeiten wie breiteren Zugang zu Online-Meetings mit fortschrittlichen Features wie Timeshift und Playback im TiVo-Stil, direktes Mitschneiden von Unterhaltungen oder sogar (maschinelle) Simultanübersetzung in mehrere Sprachen in Aussicht.

Aus Sicht des Experten Elliot Gold, Marktforscher bei TeleSpan Publishing, könnten Intels Bemühungen die auf Kommunikations-Hardware und -dienstleistungen spezialisierten Hersteller unter Druck setzen. "Intel sagt hier 'Ich brauche all dieses andere Zeug nicht'", warnt Gold.

Für die Sprachübertragung setzt Intel selbstverständlich auf Voice over IP (VoIP). Allerdings weiß der Hersteller natürlich auch, dass die Qualität von Internet-Telefonaten auch mit aktuellen Dual-Core-Prozessoren noch längst nicht immer Business-Ansprüchen gerecht wird. Grobman räumt ein, dass die Qualität oft mangelhaft ist oder eine Verbindung beim Absturz eines beteiligten PCs ganz abbricht.

Hier soll unter anderem die in neueren Prozessoren integrierte Unterstützung für Virtualisierung Abhilfe schaffen. Bis zum kommenden Jahr möchte Intel dafür eine "Collaboration Virtual Appliance" in einer isolierten Softwareschicht entwickeln. Diese würde auch nach einem Crash des Haupt-Betriebssystems noch funktionieren, sodass darin laufenden IP-Telefonate oder Konferenzen nicht unterbrochen würden.

Für sein Vorhaben stielt Intel schon seit einiger Zeit Partnerschaften ein, so zum Beispiel mit Skype oder Jajah. Trotzdem bezweifelt so mancher, dass PCs herkömmliche Telefonie wirklich verdrängen können. "Man muss die Qualität wirklich so weit bringen, dass sie Carrier Grade hat", gibt Robert Wise zu bedenken, der die Konferenzsparte InterCall von West leitet. Rick McConnell, General Manager für Ciscos Unified-Communications-Geschäft, lobt jedenfalls Intels Bemühen, den PC "zu einem möglichst guten Kommunikationsgerät zu machen". Wise ist allerdings auch sicher, dass PCs an Hightech-Spezialwerkzeuge wie die virtuellen Konferenzräume von seiner Firma oder Hewlett-Packard nicht so einfach heranreichen werden. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass der PC nur eines von vielen Geräten sein wird, die man braucht", sagt der Cisco-Mann. (tc)