Codename "Larrabee"

Intel greift Nvidia und ATI/AMD an

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Mit unter dem Codenamen "Larrabee" entwickelten Chips unternimmt Intel den ambitionierten Versuch, auch hochwertige Computergrafik auf Basis seiner ohnehin schon allgegenwärtigen x86-Architektur zu standardisieren.

Gegenwärtig wird der Markt für anspruchsvolle Computergrafik, etwa für Spiele oder Spezialanwendungen für Finanzdienstleister und Forschung, von den beiden verbliebenen GPU-Anbietern (Graphics Processing Unit) Nvidia und ATI - übernommen vom Prozessorbauer AMD - dominiert; Intel selbst offeriert dieser Tage nur einfachere Chipsatz-Grafik für eher anspruchlose Büroanwendungen.

Mit Larrabee soll das anders werden. Die kommenden Intel-Chips - auf den Markt kommen dürften sie Ende 2009 oder Anfang 2010 - arbeiten mit einer Vielzahl von Rechenkernen. In einer frühen Präsentation der Architektur wird bereits die Skalierung bis hoch zu 48 Cores erläutert. Intel schweigt sich derzeit noch zur genauen Zahl der für Larrabee anfänglich geplanten Kerne aus, Branchenkenner erwarten aber zwölf bis 48 Cores und damit deutlich mehr als in herkömmlichen Prozessoren (CPUs) üblich.

Viele Rechenkerne sind für Nvidia und ATI natürlich ebenfalls alles andere als neu: Nvidia hat zum Beispiel einen High-end-Beschleuniger im Programm, der 240 Cores verwendet, um etwa die Farben für jeden einzelnen Punkt auf dem Bildschirm auszurechnen. AMD, das ATI im Jahr 2006 geschluckt hatte, bietet gar eine GPU mit 800 Kernen an.

Larrabee: Die Technik

Die x86-Cores der Larrabee-Chips basieren auf dem Design des "Pentium"-Kerns. Darüber hinaus enthalten sie nach Angaben von Intel Verbesserungen wie eine breite Vektor-Einheit, 64-Bit-Erweiterungen, Multithreading und Pre-fetching.

Larrabee wird außerdem dedizierte Co-Prozessoren für spezielle Grafikfunktionen wie Texturen aufweisen. Als Grafik-Programmierschnittstellen soll er sowohl OpenGL als auch DirectX unterstützen.

Während die GPU-Kerne aber alle spezialisiert sind, setzt Intel (neben einigen Spezialischaltungen) bei Larrabee vor allem auf seine etablierte x86-Architektur. "Das ist die erste neue Architektur, die seit zehn Jahren für Computergrafik entwickelt wird", konstatiert der auf das Marktsegment spezialisierte Analyst Jon Peddie. Beim Blick in seine Glaskugel sieht Peddie für Intel bis zum Jahr 2010 weitere 4,6 Milliarden Dollar möglichen Umsatz - falls (und das ist ein großes "falls") es Intel gelingt, im GPU-Bereich auf mit Nvidia und AMD vergleichbare Marktanteile zu erobern.

Nvidia und AMD zweifeln natürlich an Intels Behauptung, Larrabee-Chips könnten ihre Produkte bei existierenden Computerspielen abhängen. Unter anderem, weil Intel sich für viele Grafikfunktionen auf Software verlassen wird, die spezialisierte GPUs vermittels Hardware beschleunigen. "Dass sie das hinbekommen, daran habe ich keinen Zweifel", kommentiert Tony Tamasi, Senior Vice President bei Nvidia. "Die große Frage ist, wie gut sie das hinkriegen."

Neben der schieren Rechenleistung stehe Intel auch vor der Herausforderung, den Grafikbeschleunigern in Sachen Stromverbrauch und Herstellungskosten gleichzukommen, betont Raja Koduri, Chief Technology Officer der Grafikchipsparte von AMD. Wenn Intel es nicht schaffe, in allen drei Bereichen Paroli zu bieten, "dann wird der Kunde das nicht akzeptieren".

Doug Carmean, Intels Chief Architect für Larrabee, sieht für sein "Baby" hingegen wichtige Vorteile gegenüber herkömmlichen GPUs. Dazu gehören aus seiner Sicht ein großer Cache, der Wartezeiten beim Abholen von Informationen aus separaten Speicherchips verringert. Außerdem würden die Kerne auf dem Larrabee-Chip mit extrem hoher Geschwindigkeit untereinander kommunizieren (über einen ringförmigen Datenpfad).

Wichtigstes Argument für Larrabee ist aber wohl die Vielzahl von Programmierern, die sich mit der x86-Architektur bestens auskennen. Ein potenzieller Kunde dürfte dabei die Trickfilmfirma DreamWorks Animation SKG sein, die im vergangenen Monat von zuletzt AMD-basierender Hardware auf Intel umgeschwenkt war.

Der Export Larrabee-basierender Applikationen auf andere Plattformen wie Spielekonsolen könnte sich allerdings als problematisch erweisen, wie auch Intel-Manager einräumen. Intel versucht, dies durch Unterstützung für mehr Software-Umgebungen auszubügeln. Es arbeitet außerdem mit Herstellern wie Apple und Microsoft an der Entwicklung von Werkzeugen für die Parallel-Programmierung.

Weitere Larrabee-Details will Intel auf der Fachmesse SIGGRAPH am 12. August bekannt geben.