EU-Strafe verhagelt Bilanz

Intel erholt sich schneller als gedacht

15.07.2009
Das Geschäft des weltgrößten Chipherstellers Intel ist im zweiten Quartal stärker angesprungen als gedacht. Intel gibt damit den Hoffnungen auf eine allmähliche Erholung in der Technologiebranche neue Nahrung.
Intel-Chef Paul Otellini wittert wieder Morgenluft.
Intel-Chef Paul Otellini wittert wieder Morgenluft.

"Das Ergebnis spiegelt die sich verbessernden Bedingungen auf dem PC-Markt wider", sagte Intel-Chef Paul Otellini am Dienstagabend nach US-Börsenschluss im kalifornischen Santa Clara. Nachbörslich legte die Aktie um sieben Prozent zu.

Die Euphorie konnte auch durch das von der EU kürzlich verhängte Rekordbußgeld nicht getrübt werden, das Intel unterm Strich tief in die Verlustzone drückte. Die EU hatte Intel Mitte Mai wegen illegaler Zahlungen und Rabatte in der Computerbranche mit einer Rekordstrafe belegt. Intel habe seinen viel kleineren Rivalen AMD auf unerlaubte Weise ausbremsen wollen, so die Einschätzung der Wettbewerbshüter.

Unter dem Strich stand im Ende Juni abgeschlossenen zweiten Quartal daher ein Minus von 398 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor hatte Intel noch 1,6 Milliarden Dollar verdient. Allerdings belastete den Konzern nun die EU-Buße mit umgerechnet mehr als 1,4 Milliarden Dollar. Ohne diesen Effekt hätte Intel einen Überschuss von einer Milliarde Dollar oder 18 Cent je Aktie erzielt. Die Analysten hatten mit lediglich acht Cent gerechnet.

Intel gilt angesichts seiner Größe als Gradmesser für die gesamte Branche und wegen des wachsenden Einsatzes von Chips in fast allen Bereichen auch für die Wirtschaft insgesamt. Vier von fünf Prozessoren - das Herz eines jeden Computers - stammen aus den Werken des Konzerns.

Insgesamt setzten die Kalifornier von April bis Juni rund acht Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro) um - zwar 1,4 Milliarden Dollar weniger als vor einem Jahr, aber 900 Millionen Dollar mehr als noch zu Jahresbeginn. Für das laufende dritte Quartal erwartet Intel eine weitere Erholung auf Erlöse zwischen 8,1 und 8,9 Milliarden Dollar.

Analysten waren positiv überrascht über die Schnelligkeit der Erholung, obgleich Konzernchef Otellini bereits früher angedeutet hatte, dass er das Schlimmste für überstanden halte. Der Konzern hatte Tausende Stellen streichen und ganze Werke schließen müssen.

Intels Widererstarken ist zum Teil den stromsparenden "Atom"-Chips geschuldet, die derzeit vor allem in den beliebten kleinen Notebooks - sogenannten Netbooks - eingesetzt werden. Intel versucht, mit neuen Prozessoren auch bei Handys Fuß zu fassen. Dazu sind die Amerikaner jüngst eine Allianz mit dem weltgrößten Mobiltelefon-Hersteller Nokia eingegangen. Zudem will sich Intel weitere Geräteklassen mit den Stromspar-Chips erschließen, etwa die Bordelektronik von Autos. (dpa/tc)