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Intel entwickelt Software für gefühlsechte Handys

08.08.2007
Von pte pte
Forscher der Firma Intel entwickeln derzeit eine Software, die in Zukunft eine nervenschonende Nutzung von Mobiltelefonen in der Öffentlichkeit ermöglichen könnte. Das System soll Handys sensibel für die jeweilige Gesprächssituation und die emotionale Verfassung des Besitzers machen und so unerwünschte Störungen automatisch unterbinden. Ähnlich wie bei Instant-Messenger-Programmen bereits üblich, könnte die Software feststellen, ob eine Person gerade für ein Gespräch zur Verfügung steht und bei Bedarf das Telefon stumm schalten. "Man soll niemals nie sagen, aber ich halte es derzeit für schwer vorstellbar, dass sich so ein Feature durchsetzen könnte", zweifelt Eva Maria Ritter vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) gegenüber pressetext am Erfolg der Applikation.

Um menschliche Konversationen analysieren zu können, rüsteten die Forscher unter der Leitung von Intel-Entwickler Tanzeem Choudhury 24 Studenten mit Geräten aus, die neun Monate lang Daten über geführte Gespräche sammelten. Dabei wurden nicht die gesprochenen Wörter aufgezeichnet, sondern Eigenschaften wie Lautstärke, Tonhöhe und Sprechgeschwindigkeit gemessen. Um die gesammelten Daten in den richtigen Kontext zu setzen, wurden mittels Umfragen zusätzliche Informationen über die Probanden gesammelt. Die exakten Ergebnisse sollen Ende August bei der Kommunikationsmesse Interspeech http://www.interspeech2007.org in Antwerpen präsentiert werden.

Bereits jetzt zeige sich, dass durch die Zahl der Unterbrechungen und den relativen Anteil, den eine Person an einer Konversation hat, Rückschlüsse auf das Verhältnis der Gesprächspartner gezogen werden könnten. Im Gespräch mit einem Vorgesetzten beispielsweise bestreite eine Person den Großteil des Gesprächs und es gäbe wenige Unterbrechungen, so die Forscher. Ist eine Konversation dynamisch und weist Unterbrechungen und Überlappungen auf, deutet alles darauf hin, dass es sich um ein informelles Gespräch handelt.

Verschiedene Spracheigenschaften würden zusätzlich auf die emotionale Verfassung einer Person hindeuten, meinen die Forscher. Die Software könne auf diesem Weg erkennen, ob ein Mensch wütend, glücklich, aufgeregt oder traurig sei. Die Entwickler denken bereits über die sinnvolle Nutzung in Mobiltelefonen nach - marktreif sei das System jedoch noch lang nicht. Mobiltelefone hätten nicht die Rechenkapazität, die aufgezeichneten Daten in Echtzeit zu verarbeiten. Außerdem sei das Programm noch nicht zu 100 Prozent präzise. Nutzer müssten immer noch selbst die Regeln festlegen, wann sie erreichbar sein wollen und wann nicht. Eva-Maria Ritter erkennt ein weiteres Problem: "Ich bin mir nicht sicher, ob Nutzer überhaupt wollen, dass ihr emotionaler Zustand gemessen wird." (pte)