Hedgefonds und Hightech

Insiderskandal an der Wall Street

20.10.2009
Der Schock an der Wall Street sitzt tief. Eben erst setzt der berühmteste Börsenplatz der Welt nach der Finanzkrise zum Neuanfang an, gerade schien die Madoff-Betrugsaffäre verdaut - da erschüttert das nächste Beben das Herz New Yorks.
In den aktuellen Insiderhandel-Skandal sind auch prominente Hightech-Manager verstrickt. (Foto: Thomas Cloer)
In den aktuellen Insiderhandel-Skandal sind auch prominente Hightech-Manager verstrickt. (Foto: Thomas Cloer)
Foto: Thomas Cloer

Der wohl größte Insiderhandel-Skandal der Hedgefonds-Branche rund um Milliardär Raj Rajaratnam zieht große Kreise. Nicht nur an der Wall Street, sondern bis hinein in US-Vorzeigekonzerne. Neben dem Millionenschaden drohe Amerika eine neue enorme Image-Katastrophe, urteilen US-Medien.

Thema Nummer eins

Das schillernde Schwergewicht Rajaratnam war am Montagmorgen Thema Nummer eins der Händler auf dem Weg zur Wall Street. "Festnahme von Hedgefonds-Chef erschüttert Branche", so die Schlagzeile der "New York Times". Das Konterfei des in Sri Lanka geborenen Schnauzbarts prangte auf allen Blättern. Und gleich daneben Hinweise auf mögliche Finanzkontakte zur Rebellengruppe der Tamilen-Tiger auf Sri Lanka.

Fahnder hatten den 52-Jährigen kurz vor dem Wochenende in seinem New Yorker Luxus-Appartement festgenommen, angeblich mit einem Flugticket nach London in der Tasche. Mit fünf Top-Managern als Komplizen soll er über illegale Aktiengeschäfte rund 20 Millionen Dollar (13,4 Millionen Euro) ergaunert haben. Rajaratnam streitet alles ab. Gegen 100 Millionen Dollar Kaution ist er auf freiem Fuß.

Weitere Festnahmen

Weitere Festnahmen gelten als wahrscheinlich. Ermittler seien noch mehreren Netzwerken ähnlicher Finanzbetrüger auf der Spur, zitieren US-Medien Insider. Einige stünden mit Rajaratnam in Verbindung, aber auch unabhängig davon hätten Fahnder mehrere Hinweise.

Der spektakuläre Fall erinnert an den berüchtigten Insiderhändler Ivan Boesky Mitte der 80er Jahre. Der Börsenbetrüger war Vorbild für den von Michael Douglas verkörperten Gordon Gekko im Kinoklassiker "Wall Street" von Oliver Stone. Der Regisseur dreht gerade Teil zwei.

SEC käme Erfolg gelegen

Mit an der Wall Street unüblichen Methoden der Terrorbekämpfung schlugen FBI und Staatsanwalt diesmal zu. Stundenlang belauschten sie Telefongespräche, werteten Unmengen von Daten zu Aktiengeschäften aus. Der US-Börsenaufsicht SEC käme ein prominenter Erfolg höchst gelegen: Seit ihren schweren Fehlern in der Finanzkrise und im Fall von Rekordbetrüger Bernard Madoff steht sie massiv in der Kritik.

Die Dreistigkeit und Gier der Verdächtigen verblüffte die Beamten: "Du bringst mich ins Gefängnis, wenn Du auspackst", soll die zu den Hauptbeschuldigten zählende Hedgefonds-Managerin Danielle Chiesi gesagt haben. "Ich bin tot, wenn das rauskommt."

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