Studie

Innovationspotenzial der IT liegt brach

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Nach der Konjunkturdelle kämpft die IT darum, ihren Stellenwert in den Unternehmen zurückzuerhalten Dass ihr das noch nicht gelungen ist, legen die Ergebnisse einer Befragung von mehr als 1.300 IT-Chefs in Europa nahe.
Udo Nadolski, Geschäftsführer bei Harvey Nash in Düsseldorf
Udo Nadolski, Geschäftsführer bei Harvey Nash in Düsseldorf
Foto: Harvey Nash

Die IT-Verantwotlichen werden zu Dienstleistern in der eigenen Organisation degradiert. So beschreibt Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Harvey Nash in Düsseldorf, den Status der CIOs in vielen europäischen Unternehmen. Besonders während der Rezession sei die Zahl der IT-Verantwortlichen, die direkt an den Vorstandschef berichten, drastisch zurückgegangen.

67 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen hätten zu Protokoll gegeben, dass das Innovationspotenzial der IT in ihrem Unternehmen derzeit nicht abgerufen werde, so der Harvey-Nash-Geschäftsführer weiter. Allerdings sieht er Licht am Ende des Tunnels: Der Trend werde sich wieder umgekehren, prophezeit er "Auch von den CIOs werden in den nächsten Jahren verstärkt wieder Innovationen für das Kerngeschäft gefordert." Allerdings vollziehe sich dieser Wandel nur langsam.

Die Anbieter tragen Mitschuld

In den vergangenen fünf bis sieben Jahren haben die Unternehmen die IT nur unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduktion betrachtet, so erläutert der Online-Fachdienst Service-Insiders.de, der die Ergebnisse der Studie veröffentlicht hat. Der CIO sei damit beauftragt worden, ausschließlich das Vorhandene zu optimieren und die IT als Dienstleistung so kostengünstig wie möglich bereitzustellen.

"So können allerdings keine Innovationen oder neue Geschäftsmodelle auf Basis der IT entstehen", kommentiert Nadolski die Entwicklung. Nicht die IT, sondern die Fachabteilungen hätten sich als Antreiber oder Enabler erwiesen, und der IT-Chef sei lange Zeit nur mit den Entscheidungen konfrontiert worden. "Wenn der CIO nicht mit am Vorstandstisch sitze, ist das auch nicht verwunderlich", konstatiert der Harvey-Nash-Geschäftsführer Nadolski.

Die Anbieter von Informationstechnologie seien an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig, fährt der Branchenkenner fort. In ihren Botschaften stünden fast immer Begriffe wie Prozessoptimierung, Kosteneffizienz und Einsparpotenziale im Mittelpunkt: "Die IT-Branche versucht, ihre eigenen Business-Modelle durchzusetzen."

Als ein Beispiel dafür nennt Nadolski den von der IT-Industrie inflationär verwendeten Begriff "Unified Communications". Er werde quasi als alleinseligmachendes Medium der Zukunft angepriesen. Viele CIOs seien auf diesen Zug aufgesprungen und hätten das Thema im Unternehmen propagiert, ohne den Tauglichkeitstest gemacht zu haben. Die IT-Chefs sollten künftig weniger auf die Einflüsterungen der Anbieter hören und sich lieber selbst ein Bild machen, empfiehlt der Harvey-Nash-Geschäsftsführer.