Arbeitsmarkt Automobilbranche

Ingenieur sticht Informatiker?

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Ein Informatikabsolvent glaubt nicht so recht an seine Chance in einem Maschinenbauunternehmen.

Einer unserer Online-Nutzer hat folgendes beobachtet: "Maschinenbauunternehmen und Automobilbauer bevorzugen, wenn man sich Stellenanzeigen für den Nachwuchs anschaut, eher den Ingenieur als den Informatiker." Deshalb fragt er: "Was wären aus Ihrer Sicht interessante Aufgaben für IT-Spezialisten in diesen Branchen? Wo werden sie am ehesten eingesetzt, in welchen Bereichen kommt das IT-Know-how am besten zum Zuge? Spielt das Elektromobil in der Praxis schon eine Rolle? Haben Sie in dieser Richtung schon Leute vermitteln können?"

Personalberater Thomas Hegger: " Kein Unternehmen erwartet Absolventen die Kenntnisse eines Spezialisten, sondern möchte erste Berührungspunkte zu den künftigen Aufgaben sehen."
Personalberater Thomas Hegger: " Kein Unternehmen erwartet Absolventen die Kenntnisse eines Spezialisten, sondern möchte erste Berührungspunkte zu den künftigen Aufgaben sehen."

Der Münchner Personalberater Thomas Hegger zeichnet ein differenziertes Bild: "Grundsätzlich kommen Informatiker eher im Umfeld der Unternehmens-IT und betriebswirtschaftlichen Software zum Einsatz und befassen sich dort mit Themen wie Sicherheit, Datenbanken und SAP.

Im technischen Entwicklungsumfeld tun sich Firmen schwer, Informatiker einzustellen. Ein Hauptgrund ist nach unserer Erfahrung der fehlende technische Bezug etwa in der Automobilelektronik oder bei Maschinensteuerungen.

Als Informatiker erhöhen Sie Ihre Chancen in diesen Branchen, wenn Sie während des Studiums Einblicke in solche Bereiche durch Studien-, Diplom- oder Master-Arbeiten erhalten. Eine weitere Möglichkeit ist es als wissenschaftliche Hilfskraft an Lehrstühlen der Elektrotechnik oder des Maschinenbaus an entsprechenden Projekten mitzuarbeiten.

Kein Unternehmen erwartet von Ihnen als Absolvent die Kenntnisse eines Spezialisten, sondern möchte erste Berührungspunkte zu Aufgaben sehen, die Sie dort erwarten. Wenn Sie dieses in Ihrer Bewerbung darstellen können, ist es zweitrangig ob Sie Ingenieur oder Informatiker sind.

Chancen für Informatiker

Neben der Produktentwicklung sehe ich für Informatiker gute Chancen im Bereich Manufacturing Execution System (MES). Dabei geht es um die Integration und Verarbeitung der Information aus der Fertigung in die bestehende betriebswirtschaftliche Unternehmenssoftware. Das Ziel ist es, die Fertigungsdaten idealerweise in Echtzeit aufzubereiten. Eine weitere Möglichkeit sehe ich beim Thema Smart Grid. Hierbei geht es um die intelligente Steuerung von Stromnetzen. Eine wichtige Frage ist dabei, wie sich regenerativ erzeugte Energie in das bestehende System integrieren lässt, ohne dass die Versorgungsqualität darunter in Mitleidenschaft gezogen wird.

Elektronik-Softwareentwickler gefragt

In den Entwicklungsabteilungen der Automobilhersteller und Zulieferer spielt das Thema Elektromobilität eine große Rolle. Gerade dort ist der Bedarf nach Ingenieuren und Informatikern, die über Erfahrungen in der Leistungselektronik und in der Entwicklung der komplexen Steuerungssoftware verfügen, vorhanden. Wir stellen seit einigen Monaten eine deutlich gestiegene Nachfrage am Markt nach Elektronik-Softwareentwicklern fest. Ich würde Ihnen raten, wenn Sie sich in einer Stellenausschreibung wiederfinden, bewerben Sie sich dort, auch wenn in der Ausschreibung Ingenieure gesucht werden. Nicht Ihr Studienfach ist entscheidend, sondern Ihre Kenntnisse!"