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Infosys erwartet steigende Nachfrage aus Europa

07.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Infosys, einer der größten IT-Dienstleister Indiens, hofft für sein weiteres Wachstum auf steigende Aufträge aus Europa. President und Chief Executive Officer Nandan Nilekani sagte dem "Wall Street Journal", der in der vergangene Woche abgeschlossene Großauftrag der niederländischen Bank ABN Amro sei möglicherweise nur der Anfang einer ganzen Wellte von Aufträgen vom alten Kontinent.

Mehr und mehr Firmen entdeckten die Kosten- und Zeitersparnisse, die Outsourcing ermögliche, so Nilekani: "Das ist der Wendepunkt für Europa", erklärte er am Infosys-Hauptsitz in Bangalore. "Die Tatsache, dass sich eine europäische Großbank für Outsourcing entscheidet ist ein starkes Signal, dass Europa insgesamt beim Outsourcing zulegt."

Bislang erzielen die Offshore-Dienstleister in Indien noch mehr als 80 Prozent ihrer Einnahmen mit Kunden aus den Vereinigten Staaten. Laut Nilekani erkennen aber immer mehr europäische Firmen, dass sie auslagern müssen, um global wettbewerbsfähig zu sein. In den letzten fünf Jahren stiegen die europäischen Erlöse von Infosys jeweils um mehr als 50 Prozent, sie machen aber noch immer erst 23 Prozent vom Gesamtumsatz aus. Branchenkenner erwarten, dass dieser Anteil bei großen indischen Outsourcern in den nächsten Jahren auf über 30 Prozent wächst.

Das glaubt auch Nilekani: "Viele große europäischen Unternehmen haben bislang nur den Zeh ins Wasser gehalten", so der Infosys-Chef. "Outsourcing wird einen Paradigmenwechsel durchmachen."

Auch Analysten glauben, dass indische Anbieter wie Infosys ihr Geschäft mit europäischen Kunden rasch werden ausbauen können. Es gebe nur wenige große lokale Outsourcing-Wettbewerber und wenige europäische Unternehmen, die einen eigenen Inhouse-Betrieb etabliert hätten. "Infosys ist in Europa die am schnellsten voranschreitende Firma, weil es den großen europäischen Unternehmen an soliden Offshore-Fähigkeiten mangelt", zitiert das "Journal" Peter Schumacher von der Value Leadership Group in Frankfurt/Main. "Während die Europäer versuchen herauszufinden, was zu tun ist, und sich mit ihren Gewerkschaften herumschlagen, nehmen ihnen die Inder das Geschäft weg."

Infosys will derweil in Europa nicht nur seine indischen Programmierer und Ingenieure vermarkten. Das Unternehmen heuert auch tausende von Mitarbeitern in Ost- und Zentraleuropa an, um dort ein neues Outsourcing-Zentrum zu etablieren. Genauso wie japanische Autohersteller überall auf der Welt hochwertige Fahrzeuge bauen könnten, ließen sich Infosys' Methoden für Rekrutierung, Training und Personal-Management anderswohin exportieren, erklärte Nilekani.

Auch China sei als neuer Wachstumsmarkt und potenzielle Quelle talentierter, aber billiger Ingenieure interessant, sagte der Infosys-Chef. Seine Firma werde dort in den kommenden fünf Jahren 65 Millionen Dollar investieren und rund 6000 Mitarbeiter einstellen. (tc)