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Infomatec-Vorstände kündigen Rücktritt an

15.09.2000
Zweite Betreuerbank gefunden

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Infomatec-Vorstände Gerhard Harlos und Alexander Häfele wollen bis zum 31. Dezember 2000 zurücktreten, um den "Weg für einen Neuanfang" frei zu machen. Dies teilte das Unternehmen auf einer Pressekonferenz am Freitag morgen mit. Mit diesem Schritt ziehen die zwei in die Kritik geratenen Manager die Konsequenzen aus dem Skandal um gefälschte Umsatzprognosen. Die Nachfolger für die zwei ausscheidenden Vorstände stehen bislang noch nicht fest.

Bezüglich der finanziellen Lage erklärte Finanzchef Hartmut Gruns, Infomatec müsse bis Ende 2000 insgesamt 37 Millionen Euro aufwenden. Neben den operativen Kosten entfielen 16 Millionen Euro für Kreditrückzahlungen an Banken. Allerdings betrage die Eigenkapitalquote des Unternehmens rund 86 Prozent (Stand 31. Juni 2000). Zudem könnten Anlagen im Wert von 38 Millionen Euro innerhalb weniger Wochen verkauft werden. Um die Unternehmenskosten zu senken, sollen im Rahmen einer weitreichenden Umstrukturierung 120 Mitarbeiter (20 Prozent) entlassen und die betrieblichen Ausgaben etwa für Büroflächen gesenkt werden.

Inzwischen hat Infomatec mit der Frankfurter Future Securities AG eine weitere Betreuerbank gefunden. Damit hofft der angeschlagene Augsburger Anbieter von Settop-Boxen die Bedingungen für einen Verbleib am Neuen Markt zu erfüllen, hieß es in einer Adhoc-Meldung. Erst gestern hatte das Unternehmen bekannt gegeben, mit der Lang & Schwarz Wertpapierhandel AG den ersten Designated Sponsor gefunden zu haben (Computerwoche.de berichtete). Ob die neuen Betreuerbanken dem Unternehmen wieder zu Glaubwürdigkeit verschaffen werden, bleibt allerdings fraglich. Die Future Securities genießt unter Börsenfachleuten einen eher zweifelhaften Ruf, denn sie wurde bereits mehrmals mit dem grauen Kapitalmarkt in Verbindung gebracht. Ein Analyst bezeichnete die Wahl von Future Securities als "den letzten Notnagel".

Anfang September hatten die bisherigen Betreuerbanken von Infomatec, WestLB sowie Sal. Oppenheim, ihre Unterstützung aufgekündigt, nachdem die Augsburger - nicht zuletzt aufgrund der Computerwoche-Enthüllungen - in die Schlagzeilen geraten waren.