Aber trübere Aussichten

Infineon verbucht Rekordjahr

16.11.2011
Der Halbleiterspezialist Infineon bekommt die schwächere Konjunktur zu spüren und dämpft angesichts der trüben Aussichten die Erwartungen an das jüngst gestartete Geschäftsjahr.
Infineon-Chef Peter Bauer
Infineon-Chef Peter Bauer
Foto: Infineon

Vor allem im Industriegeschäft läuft es für den Münchner Halbleiterhersteller inzwischen deutlich schlechter als noch vor einigen Wochen. Weiter gut sieht es hingegen im Geschäft mit der Autoindustrie aus. Für das am 30. September zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2010/11 meldet der Konzern noch Rekorde. Der Umsatz kletterte um 21 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente der Dax-Konzern rund 1,12 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr noch 660 Millionen Euro verbucht wurden.

An der Börse wurde die Prognose mit Enttäuschung aufgenommen. Ein Händler stuft den Ausblick "schlechter als erwartet" ein und sieht sowohl das Umsatz- als auch das Margenziel unter den aktuellen Analystenschätzungen. Am Morgen verloren Infineon fast fünf Prozent an Wert und waren damit schwächster Wert im Dax.

In den kommenden Monaten wird es wohl keine rekordverdächtigen Zahlen mehr von Infineon geben. Bereits im ersten Viertel des jüngst begonnenen Geschäftsjahres habe sich die Zurückhaltung der Industriekunden nochmals verstärkt. Für das gesamte Jahr rechnet Konzernchef Peter Bauer mit einem Umsatzminus im mittleren einstelligen Prozentbereich und einer Marge für das Segmentergebnis im niedrigen bis mittleren Zehnerprozentbereich. Langfristig ist der Manager aber weiter optimistisch, auf Erfolgskurs zu bleiben: "Wir sind natürlich nicht immun gegen Konjunkturschwankungen. Aber wir haben volles Vertrauen hinsichtlich des langfristigen Wachstums und der Margenentwicklung." Auch die Investitionen will er nicht senken. Diese lagen im vergangenen Jahr bei 887 Millionen Euro.

Infineon-"Campeon" in Neubiberg bei München
Infineon-"Campeon" in Neubiberg bei München
Foto: Infineon

Die Halbleiterbranche spürt als Zulieferer für viele Industrien das wirtschaftliche Auf und Ab besonders früh und gilt deswegen auch als Gradmesser für die Wirtschaftsentwicklung. Auch der US-Chiphersteller Texas Instruments oder die europäische Branchengröße STMicroelectronics meldeten zuletzt schwächere Geschäfte. Bereits bei der Vorlage der überraschend schlechteren Eckdaten für das Schlussquartal hatte Bauer seine Erwartungen nach unten geschraubt, nachdem der Konzern angesichts des kräftigen Aufschwungs zuvor mehrfach nach oben korrigiert hatte.

Infineon hatte nach einer jahrelangen Durststrecke im Geschäftsjahr 2009/2010 erstmals wieder Gewinne geschrieben und das zweite Mal in seiner Geschichte überhaupt eine Dividende gezahlt. Ob es für das vergangene Jahr auch eine Dividende geben soll, blieb zunächst offen. Infineon war 1999 aus dem Siemens-Konzern ausgegliedert worden, ging im März 2000 an die Börse und wäre 2009 von der Pleite der Speicherchiptochter Qimonda beinahe mit in den Abgrund gerissen worden. (dpa/tc)