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Infineon sieht tiefrot

08.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Münchner Chipkonzern Infineon Technologies hat in seinem vierten Geschäftsquartal 2001/2002 (Ende: 30.September) überraschend einen Nettoverlust von 506 Millionen Euro verbucht. Die ehemalige Siemens-Tochter verbesserte damit zwar ihr Ergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal um 17 Millionen Euro. Im vorangegangenen Vierteljahr hatte Infineon allerdings nur ein Defizit von 76 Millionen Euro verbucht.

Das aktuelle Ergebnis wurde laut Unternehmensangaben durch Wertberichtigungen auf latente Steuern in Höhe von 275 Millionen Euro belastet. Außerdem machte der Konzern Sondereffekte in Höhe von 119 Millionen Euro geltend, darunter Abschreibungen auf Lagerbestände (68 Millionen Euro) sowie akquisitionsbedingte Aufwendungen (47 Millionen Euro). Der Umsatz fiel mit 1,38 Milliarden Euro um ein Prozent niedriger aus als im dritten Quartal 2002. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum konnten die Münchner jedoch ihre Einnahmen um 28 Prozent steigern.

Für das gesamte Geschäftsjahr weist Infineon einen Nettoverlust von 1,02 Milliarden Euro aus, nach 591 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz schrumpfte um acht Prozent auf 5,21 Milliarden Euro. Als Ursachen dafür nannte das Unternehmen die insgesamt schwache Nachfrage im Halbleitermarkt sowie den damit verbundenen Preisdruck in allen Geschäftsbereichen, insbesondere bei Speicherchips.

Der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher kann auch für die kommenden Monate noch keine eindeutigen Anzeichen für einen nachhaltigen Anstieg der Nachfrage erkennen. Eine Prognose für das laufende Jahr wollte er nicht abgeben. Zurzeit sei aber eine Stabilisierung in der Mobilkommunikation sowie ein leichter Anstieg in der Automobilelektronik zu erkennen, so Schumacher. Die Entwicklung bei Chipkarten und in der drahtgebundenen Kommunikation schätzt er als ungewiss ein. (mb)