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Infineon prüft Verlagerung des Firmensitzes ins Ausland

28.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Abwanderungspläne des Münchner Halbleiterkonzerns Infineon ins Ausland gewinnen an Kontur: Nachdem Unternehmenschef Ulrich Schumacher bereits im Dezember vergangenen Jahres erste Andeutungen gemacht hatte, soll sich der Aufsichtsrat am heutigen Montag erstmals konkret mit den Plänen befassen, den Firmensitz aus Steuergründen ins Ausland zu verlagern. Presseberichten zufolge stehen dabei drei Standorte zur Diskussion: Singapur, die USA und die - von Schumacher angeblich favorisierte - Schweiz.

Den Siemens-Ableger bedrücken hierzulande neben den hohen Standortskosten und Abgaben an den Fiskus eine mögliche Änderung des Steuerrechts: Bislang können Unternehmen in Deutschland ihre Verluste vergangener Jahre zeitlich unbegrenzt steuerlich geltend machen. Da diese Regelung auch im Falle einer Konjunkturbelebung zu weiteren Steuerausfällen in der Zukunft führen würde, plant die rot-grüne Regierung jedoch, den Verlustvortrag zu halbieren - ein erheblicher Nachteil für die Münchner, die seit zwei Jahren rote Zahlen schreiben. Der Haken an dem Umzug: Bei einer Verlagerung seines Konzernsitzes ins Ausland würde Infineon den Rausschmiss aus dem Dax riskieren.

Die Verlagerung des Konzernsitzes sei derzeit noch in der Prüfungsphase, hieß es bei Infineon, eine Entscheidung werde auf der Halbjahreskonferenz am morgigen Dienstag noch nicht bekannt gegeben. Um gegenüber seinen asiatischen Konkurrenten wettbewerbsfähig zu bleiben, liebäugelt Firmenchef Schumacher außerdem mit der Auslagerung ganzer Konzernteile in Niedriglohnländer. Bereits jetzt wird die Buchhaltung des Halbleiterherstellers in Portugal abgewickelt.

Während auch Epcos mit dem Gedanken einer Abwanderung ins Ausland spielt, ist die Verlagerung der Zentrale für die Konzernmutter Siemens nach eigenen Angaben kein Thema. Presseberichten zufolge beäugt der Münchner Elektrokonzern vielmehr das Vorgehen Schumachers kritisch. Es ist daher davon ausgehen, dass Siemens mit seiner 39-prozentigen Beteiligung an Infineon bei der Entscheidung noch ein gewichtiges Wort mitreden wird. (mb)