Kurzarbeit wird ausgeweitet

Infineon offen für Fusionen oder Investoren

12.02.2009
Der verlustreiche Chiphersteller Infineon öffnet sich für Fusionen und Partnerschaften. Aufgrund der Krise müssen mehr Mitarbeiter kurzarbeiten.
Peter Bauer - mit dem Rücken zur Wand...
Peter Bauer - mit dem Rücken zur Wand...

"Wir können alleine bestehen", sagte Konzernchef Peter Bauer der "Süddeutschen Zeitung" vor der heutigen, vermutlich turbulenten Hauptversammlung von Infineon. "Aber wir werden, falls es sich anbietet, einen Zusammenschluss prüfen. Wenn wir unsere Marktposition verbessern können, ist das doch allemal positiv." Auch der Einstieg eines Finanzinvestors wäre generell möglich, kündigte Bauer an.

Nach der Ausweitung der Kurzarbeit an mehreren Standorten des Konzerns soll nun auch in der Chefetage gespart werden. Wegen der heftigen Krise spreche das Unternehmen mit Führungskräften über unbezahlten Sonderurlaub von zwei oder drei Tagen pro Monat, sagte Bauer. Zudem kündigte der Konzernchef einen Gehaltsverzicht des Vorstands an. Bauer werde im laufenden Geschäftsjahr auf 20 Prozent, die drei weiteren Vorstände auf zehn Prozent ihres Gehalts verzichten.

Kurzarbeit ausgeweitet

Infineon-Reinraum in Dresden
Infineon-Reinraum in Dresden
Foto: Infineon

Zuvor war bekanntgeworden, dass Infineon weitere 4800 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken will. Wie eine Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage sagte, sollen nach Dresden und Regensburg nun auch die Standorte Warstein und München betroffen sein. In Warstein liefen die Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Dort sei geplant, vom 1. März an alle 800 Mitarbeiter bis zu sechs Monate in Kurzarbeit zu schicken. In München sollen 4000 von 4200 Beschäftigten betroffen sein. Die Verhandlungen hierüber sollten umgehend beginnen. Der Start der Kurzarbeit sei spätestens am 1. April geplant. Damit wäre ein Großteil der rund 9900 Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit.

An den Standorten Regensburg und Dresden wird bereits seit Anfang Januar beziehungsweise Februar weniger gearbeitet. In Sachsen sind 1800 Mitarbeiter betroffen, in der Oberpfalz 2200. Grund ist die wegen der Wirtschaftskrise drastisch gesunkene Nachfrage unter anderem aus der Automobil- und Handyindustrie. Hinzu kommt die desolate Lage bei der insolventen Speicherchiptochter Qimonda. Im vergangenen Geschäftsjahr war ein Verlust von rund 3,1 Milliarden Euro angefallen. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres lag das Minus bei gut 400 Millionen Euro.

Infineon versucht daher fieberhaft, die Kosten zu senken. Der Abbau von 3000 der ehemals 30.000 Stellen im Konzern läuft bereits. Weitere Streichungen hatte Konzernchef Peter Bauer zuletzt nicht ausgeschlossen. Außerdem war das Unternehmen nach Abschluss der Tarifverhandlungen mit der IG Metall Mitte November aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, weil es die vereinbarten Lohnerhöhungen nicht mittragen wollte. (dpa/tc)