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Infineon kündigt Lizenzvertrag mit Promos

28.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon hat nach monatelangen Streitigkeiten mit seinem taiwanesischen Partner Mosel Vitelic nun den Lizenzvertrag mit dem Gemeinschaftsunternehmen Promos fristlos gekündigt. Wie der Siemens-Ableger mitteilte, ist Promos ab sofort nicht mehr berechtigt, DRAM-Chips mit Infineon-Technologie herzustellen. Der endgültige Bruch mit Promos könnte die Situation auf dem DRAM-Markt vollkommen auf den Kopf stellen. Zwar werden kurzfristig keine Auswirkungen auf Preis oder Verfügbarkeit der Speicherchips erwartet. Da Promos zwischen fünf und acht Prozent der weltweiten DRAM-Produktion übernimmt, könnte nach dem gegenwärtigen Überschuss bald eine Knappheit an Speicherbausteinen folgen.

Infineon begründete die Kündigung des Lizenzvertrages mit schwerwiegendem Vertragsbruch durch Promos. So habe das Joint-venture trotz bestehender Liefervereinbarungen mit den Münchnern sämtliche Produkte an Mosel Vitelic geliefert. Zum endgültigen Bruch zwischen den beiden Partnern war es auf der Promos-Hauptversammlung am 10. Januar gekommen (Computerwoche online berichtete). Infineon hatte dabei vergeblich versucht, seinen Einfluss bei dem Chip-Joint-venture zu erhöhen. Statt dessen wurde einer von drei Infineon-Repräsentanten im Promos-Board wegen angeblicher Interessenskonflikte abberufen, gleichzeitig wurde das Gremium verkleinert. Mosel Vitelic erhielt damit mit sechs Sitzen die alleinige Kontrolle über alle wichtigen Entscheidungen bei dem Unternehmen. Zwar dürfen die beiden Infineon-Mitarbeiter nach einer einstweiligen Verfügung eines

taiwanesischen Bezirksgerichts wieder in das Promos-Board zurückkehren. Wegen des gestörten Vertrauensverhältnisses wollen sich die Münchner aber nach wie vor aus dem Joint-venture zurückziehen und ihre knapp 30-prozentige Beteiligung verkaufen. (mb)