Zweiteilung der Computermesse wahrscheinlich

"Infarktartige Zustaende" auf CeBIT zwingen zum Umdenken

24.03.1995

HANNOVER (jm) - Im Zeitalter der Superlative wollte die Deutsche Messe AG nicht nachstehen und jubelte die CeBIT ´95 zur "Mega- CeBIT" hoch. Ein Besuchersprung um zehn Prozent auf 750000 und eine ansteigende Kurve bei der Anzahl der Aussteller von 5850 auf 6167 dokumentierten einen weiteren markanten Punkt in der Erfolgsstory der Computermesse. Doch mehr als "Optimismus pur" bei den Ausstellern interessierte, wie sich die Messeleitung die fuer 1996 avisierte zweigeteilte CeBIT vorstellt.

Entschieden ist noch nicht, ob die unter dem Arbeitstitel

"CeBIT-Home" firmierende Messeabspaltung tatsaechlich im Herbst 1996 an den Start geht. Vor allem die Hersteller sind von einer zusaetzlichen Messe alles andere als begeistert, wie stichprobenartige Recherchen zeigten.

So musste Hubert Lange, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe AG, im Gespraech mit der CW konzedieren: "Die Widerstaende gegen eine zweite CeBIT sind in der Industrie noch sehr stark." Lange meinte aber, die Hersteller muessten bezueglich des CeBIT-Home- Konzepts beginnen umzudenken, denn "da entstehen doch ganz neue Maerkte".

Lange bestritt, dass die Messe AG mit dem Konzept einer zweigeteilten CeBIT einer moeglichen Konkurrenz durch die alle zwei Jahre stattfindende Funkausstellung vorbeugen wolle. Zum einen habe die Berliner Veranstaltung ueberhaupt keinen Platz fuer die aus der Computerszene zu erwartenden Aussteller. Lange rechnet fuer die CeBIT-Home mit rund 600 bis 800 Ausstellern, die bislang auf der CeBIT auftreten "und zusaetzlich auch auf einer CeBIT-Home vertreten sein werden", und weiteren 200 bis 300 Ausstellern, die von der Ausrichtung auf Consumer-Aspekte angezogen werden koennten. Zum anderen richte sich die Funkausstellung thematisch vor allem auf Funk, Film und Fernsehen aus. Demgegenueber wuerden die auf einer CeBIT-Home zu praesentierenden Produkte auf der Kerntechnologie des PCs basieren.

So scheinen denn auch die mittlerweile nicht mehr handhabbaren Auswuechse der Hannoveraner Monsterveranstaltung wesentlicher Antrieb fuer eine Zweiteilung. Die Entzerrung der CeBIT soll dazu beitragen, Informationsmoeglichkeiten auf der CeBIT wieder anwenderfreundlicher zu gestalten. So zumindest mussten die Aeusserungen von Joern Stielow, dem Vorsitzenden des CeBIT- Messeausschusses, interpretiert werden. Teilweise haetten auf der CeBIT ´95 "infarktartige Zustaende" geherrscht.

Ueber die Zweiteilung der CeBIT muesse, so Lange, bis spaetestens Ende April, Anfang Mai 1995 entschieden sein. Dann naemlich wuerden die Aussteller bereits ihre Budgetierungen fuer die kommende Hannoveraner Computermesse abschliessen.