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Industrie will E-Mail-Betrug eindämmen

28.10.2008
Um kriminellen Spammern das Handwerk zu legen, wollen Microsoft und Yahoo sowie die Afrikanische Entwicklungsbank und Western Union den Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Behörden forcieren.

Das Glück kommt per E-Mail: Eine Million Dollar, verspricht ein Dr. Smith Walker, habe der Empfänger in der jährlichen Lotterie des Software-Riesen Microsoft gewonnen. Um an das Geld zu gelangen, müsse der Gewinner nur noch schnell eine Bearbeitungsgebühr auf ein ausländisches Konto überweisen. Doch wer mitmacht, verliert: Denn die Mail stammt nicht von Microsoft, sondern von einem Internet- Betrüger. Und das Geld ist weg.

Eine typische Spam-Mail
Eine typische Spam-Mail

Gefälschte Gewinnmitteilungen sind die neueste Variante des Virus. Seit rund einem Jahr versuchen Betrüger, unaufmerksame Nutzer so um ihr Geld zu bringen. Der Lotterie-Betrug (lottery scam) ist daher ein Schwerpunkt beim diesjährigen Anti-Spam-Kongress (bis 29. Oktober) in Wiesbaden. Dort bringt der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco Branchenvertreter und Behörden aus 46 Ländern zusammen. Der Tenor: Gegen die international agierenden Spammer-Banden hilft nur internationale Zusammenarbeit.

Botnetze als Spam-Schleuder

Trockenlegen lässt sich die Flut bis auf weiteres nicht. "Die Spammer nutzen aus, dass die internationalen Strafverfolgungsbehörden schlecht vernetzt sind", sagt Norbert Pohlmann von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Die Kriminellen seien vor allem in Ländern mit laxer Strafverfolgung aktiv. "Der Spammer sitzt in Russland und nutzt Server in Korea", nennt der Professor ein Beispiel. Global sei auch der Versand: "Kriminelle kapern die Rechner von vielen Nutzern wie Du und ich und versenden damit Spam." Über ein sogenanntes Botnetz, also einen Verband fremdgesteuerter Computer, lassen sich mühelos Millionen von E-Mails innerhalb von Minuten in Umlauf bringen.

Wie eine Kooperation über Ländergrenzen hinweg aussehen könnte, zeigt eine in Wiesbaden angekündigte Initiative von Banken und Internet-Konzernen: Microsoft und Yahoo sowie die Afrikanische Entwicklungsbank und Western Union wollen den Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Behörden forcieren. Geschädigte sollen sich bei der örtlichen Polizei melden und anschließend die Ermittlungsakte an die neuen Beschwerdestellen der vier Unternehmen weitergeben.

Microsoft und Co. wollen die Daten - in anonymisierter Form - auswerten und etwa recherchieren, von wo aus die Spammer ihre Mails verschicken. Diese Erkenntnisse werde man der Polizei im jeweiligen Land zur Verfügung stellen, sagte Tim Cranton, der bei Microsoft für die Kooperation mit Behörden zuständig ist. Klar ist allerdings: Die Initiative läuft ins Leere, wenn die zuständigen Behörden am Ort nicht durchgreifen. "Wir können Lotterie-Betrug nicht verhindern, aber erschweren", sagte Cranton.

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