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Intelligente Produkte und Maschinen

Industrie 4.0: Software macht den Unterschied

Bernd Leukert ist Mitglied des Vorstands und Global Managing Board der SAP SE mit globaler Verantwortlichkeit für die Entwicklung und Auslieferung aller Produkte des gesamten Produktportfolios einschließlich Anwendungen, Analytics, Cloud, Datenbanken & Technologie sowie mobilen Technologien. Er ist außerdem verantwortlich für Design und End-user-Experience bei SAP. Leukert ist seit 1994 bei SAP und hatte seitdem verschiedene Führungspositionen in der Anwendungs-, Technologie- und Softwareentwicklung sowie Prozesssteuerung inne. Er hat einen Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur von der Universität Karlsruhe und studierte darüber hinaus ein Jahr am Trinity College in Dublin, Irland.
Industrie 4.0 ist längst Realität: Maschinen werden von den Produkten selbst dynamisch gesteuert, individuelle Kleinst-Serien-Fertigungen auf ein und derselben Produktionsanlage sind möglich. Produkte erkennen im Voraus einen möglichen Defekt und leiten Wartungsarbeiten in die Wege. Die richtige Software macht es möglich.

Im Rahmen des Nationalen IT-Gipfels im Oktober 2014 hat die deutsche Bundesregierung Millionenhilfen für die Digitalisierung der Industrie zugesichert. Es geht darum, Produkte und Dinge mit dem Internet zu vernetzen und die daraus resultierenden Vorteile für die Wirtschaft zu nutzen. Digitalisierte Produkte ermöglichen neue Transparenz durch Echtzeiteinblicke in die Wertschöpfungskette, vom Lieferanten bis hin zum Endkonsumenten. Sensordaten intelligenter Produkte stellen Informationen über den gesamten Produktlebenszyklus zur Verfügung.

Intelligente Maschinen und mit Sensoren ausgestattete Produkte erlauben sich selbst optimierende Produktionsprozesse, was zu einer deutlichen Effizienzsteigerung und Flexibilisierung in der Produktion führt. Diese Effekte machen Industrie 4.0 aus. Zusätzlich können durch das Internet der Dinge bestehende Geschäftsmodelle ergänzt, erweitert oder gänzlich neu geschaffen werden. Dadurch haben Unternehmen die Möglichkeit, komplementäre digitale Dienste anzubieten, die ihr bestehendes Portfolio erweitern und Mehrwert für den Kunden schaffen.

Digitalisierung ermöglicht neue Geschäftsmodelle

In der Vergangenheit waren Produktion und IT getrennte Segmente, die nun nahtlos zusammenwachsen. Die kontinuierliche Digitalisierung führt zu einer unternehmensübergreifenden Verschmelzung von Produktionseinheiten und -prozessen. Die Veredelung von Daten mithilfe von Software wird Innovationen über Industrien hinweg treiben und eine bisher nicht gekannte Transparenz, Flexibilität und Individualisierung bis hin zu neuen Produkten, Geschäftsmodellen und Services ermöglichen.

Diese industrieübergreifenden Innovationen entstehen nicht in einem Unternehmen alleine, sondern durch deren Zusammenarbeit. Für SAP bedeutet dies eine intensive Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern. Deswegen gehen wir das Thema Industrie 4.0 ganzheitlich und mit einem kollaborativen Ansatz an. Szenarien aus Industrie 4.0 bauen auf Big Data, Cloud, Mobile, Analytics, Internet der Dinge und Integration auf. SAP beherrscht all diese Technologien und Trends.

Das Internet der Dinge ermöglicht neue Industrieszenarien und Innovationen im digitalen Wettbewerb. Es zeigt, wie digitale, transparente Information neue Dienstleistungen und Produkte ermöglicht - und somit sogar Geschäftsmodelle verändert. Unsere IoT-Plattform, integriert in die SAP HANA Cloud Plattform, stellt den einfachen Einstieg in das Internet der Dinge sicher und legt den Grundstein für Anwendungen auf dem Weg zu Industrie 4.0, die wir auf der SAP TechEd && dcode 2014 vorgestellt haben.

Mensch und Software machen den Unterschied

Auch wenn Industrie 4.0 dem Namen nach nicht den Anschein erweckt: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Mitarbeiter in Unternehmen müssen neue Technologien beherrschen und neue Geschäftsmodelle leben. Deswegen haben wir beispielsweise auf dem IT-Gipfel gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der acatech und weiteren Partnern eine Qualifikationsoffensive Industrie 4.0 angestoßen.

Für SAP ist Industrie 4.0 kein Endzustand, sondern eine Weiterentwicklung. Wenn wir gemeinsam vorangehen, werden wir den heute existierenden Standortvorteil Deutschlands halten und weiter ausbauen können. Wer sich der Digitalisierung nicht stellt, läuft Gefahr, dass er in naher Zukunft sein Unternehmen gefährdet und seine Wettbewerbsfähigkeit nicht halten können wird.