IT-Manager wetten

Industrie 4.0: IT vor Fertigung

29.10.2015
Von Alpha Barry und Jens Hartmann
Alpha Barry, Head of Methods, Tools and Business Process Development ThyssenKrupp AG und Jens Hartmann, IT-Strategist, ThyssenKrupp AG, wetten, dass in zehn Jahren eine erfolgreich transformierte IT-Organisation mehr Potenzial zur Differenzierung und Wettbewerbsvorteile bietet als die herkömmliche Fertigungs- und Produktionskompetenz von Industrieunternehmen.
Alpha Barry ist Head of Methods, Tools and Business Process Development der ThyssenKrupp AG.
Alpha Barry ist Head of Methods, Tools and Business Process Development der ThyssenKrupp AG.
Foto: ThyssenKrupp

Die Wettbewerbssituation deutscher Industrieunternehmen auf globalen, stark volatilen Märkten ist gekennzeichnet von hohen Produkt- und Prozesskomplexitäten, die sich durch stetig verkürzende Produktlebenszyklen fortlaufend verschärfen. Die Produktvielfalt und insbesondere die Variantenvielfalt je Produkt steigen durch Individualisierungswünsche zunehmend an. Hinzu kommen stetig neue Materialien in der Produktion zum Einsatz sowie der Wunsch zur weitergehenden Flexibilisierung von Arbeit in den Industrieländern.

Vor diesem Hintergrund stellt Industrie 4.0 für viele Industrieunternehmen einen massiven Umbruch sowie eine enorme Chance dar. Die nachhaltige Digitalisierung von Produktions- und Logistikprozessen eröffnet ein vielfältiges Potenzial zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen: von der reinen Ressourcenoptimierung über Effizienzsteigerungen bis zur Etablierung neuer Geschäftsmodelle.

Dr. Jens Hartmann ist IT-Strategist der ThyssenKrupp AG.
Dr. Jens Hartmann ist IT-Strategist der ThyssenKrupp AG.
Foto: ThyssenKrupp AG

Erst durch den intelligenten Einsatz von IT werden solche Wettbewerbsvorteile möglich, weshalb wir (gerne etwas provokativ) prognostizieren, dass im Jahre 2025 die Digitale Kompetenz eines Industrieunternehmens mehr Differenzierungspotenzial und Wettbewerbsvorteile bieten wird als klassische Fertigungs- und Produktionskompetenzen.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Bevor jedoch die strapazierte Diskussion um den Wertbeitrag der IT im Unternehmen so einfach abgeschlossen werden kann, müssen noch einige "Hausaufgaben" in der IT selbst erledigt werden. Denn gegenwärtig hat die IT häufig Komplexitätsstufen erreicht, die bisweilen nur noch mit enormen Aufwänden beherrschbar sind. Dies betrifft insbesondere gewachsene System- und Applikationslandschaften, inkompatible Schnittstellen sowie proprietäre Dateiformate. Die Anforderung an die IT, sich stetig nach sich weiterentwickelnden Business-Anforderungen auszurichten, wird daher immer seltener wirtschaftlich abbildbar.

In einer solchen Ausgangssituation ist die erfolgreiche Realisierung von Industrie 4.0 zum Scheitern verurteilt. Die entscheidende Prämisse für die erfolgreiche Digitalisierung von Industrieunternehmen ist eine grundlegende Transformation und Neuausrichtung der bestehenden IT-Organisation, die wir in Form einer CIO-Agenda in diesem Artikel grob skizzieren.

Das CIO-Jahrbuch 2015
Das CIO-Jahrbuch 2015
Foto: cio.de

Weitere Wetten finden Sie im CIO-Jahrbuch 2015

Jahrbuch 2015 - Neue Prognosen zur Zukunft der IT
IDG Business Media GmbH
276 Seiten, 39,90 Euro
PDF-Download 34,94 Euro
zum CIO-Shop

Inhalt dieses Artikels

 

Sven

Die Antwort hat wenig mit meinem Kommentar zu tun???
Meine Argumentation ist ja, das die IT überhaupt kein Budget bekommt um überhaupt irgend etwas in der Richtung zu unternehmen und den ganzen Tag damit beschäftigt ist überall veraltete Systeme am laufen zu halten.

Joachim Hörnle

Die Problematik ist zwar, dass insbesondere beim Mittelstand faktisch bisher wenig von Initiativen zur Digitalisierung der Produktion wie Industrie 4.0 und Smart Factory angekommen ist. Das Problem ist aber aus meiner Sicht eher ein Problem der IT als ein Problem der Produktionsindustrie. Für die Industrie geht es bei all diesen Initiativen primär nicht um technologische Aspekte, sondern um konkrete und vor allen Dingen messbare Verbesserungen der Produktivität, Qualität oder von Time-to-Market Indikatoren. Wenn diese Initiativen erfolgreich sein wollen, muss sich vor allen Dingen die IT wandeln und sich u.a. angewöhnen, diesen Nachweis schon in frühen Projektphasen zu erbringen. Darüber hinaus muss sie das Thema "Endbenutzerorientierung" nicht nur im Marketing ernst nehmen. Die übliche IT-Zentrierung z.B. im Bereich der User Interfaces / Repräsentation von Informationen und Modellierung ist ein weiterer Bereich in dem sich die IT deutlich stärker als bisher an den Kundenbedürfnissen orientieren muss. Der dritte Erfolgsfaktor ist aus meiner Sicht das Thema Handhabbarkeit bzw. Komplexität. Üblicherweise ist der Einsatz von Technologien der IT häufig mit einer deutlichen Zunahme der Komplexität verbunden. Wenn diese Zunahme aber die Erreichung der primäre Ziele von Initiativen zur Digitalisierung der Produktion in Frage stellt, werden Initiativen wie Industrie 4.0 und Smart Factory scheitern.

Sven

Das wird die Feuerprobe für den Deutschen Mittelstand. Das Tal der Tränen wird noch groß werden. Die meisten Firmen die ich kenne sind eher IT Feindlich eingestellt. NULL Euro in die IT, außer es geht nicht anders, weil etwas ausgefallen ist.
So lang Inhaber und Geschäftsführer der Meinung sind, sie sparen Geld, wenn sie nichts in ihre IT stecken. Wird es noch eine menge dumme Gesichter geben, wenn uns Polen & Chinesen links und rechts überholen werden.

comments powered by Disqus