Industrie 4.0

IT-Budgets bremsen Digitalisierung

 Spezialistin für strategisches Marketing der H&D International Group
Wie steht es mit Industrie 4.0 in der Realität? Wie weit ist die Digitalisierung fortgeschritten und wer sind die Treiber in den Unternehmen? Eine Studie der H&D International Group gibt einen Überblick über den Stand der Digitalisierung in der Produktion.
Die industrielle Produktion und produktionsnahe Dienstleistungen in Deutschland erzielen mehr als die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung.
Die industrielle Produktion und produktionsnahe Dienstleistungen in Deutschland erzielen mehr als die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung.
Foto: Dmitry Kalinovsky - shutterstock.com

Industrie 4.0 gilt als eine der drängendsten Herausforderungen der deutschen Wirtschaft. Die Brisanz des Themas verdeutlicht auch die Bundesregierung in ihrer Digitalen Strategie 2025 (PDF): Die industrielle Produktion und produktionsnahe Dienstleistungen in Deutschland erzielen mehr als die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung. Damit diese Unternehmen in Zukunft weiterhin wettbewerbsfähig bleiben, ist es wichtig, die digitale Transformation voranzutreiben und erfolgreich zu meistern.

Erstmals wurde die vierte industrielle Revolution zur Hannover Messe 2011 ausgerufen. Seitdem sind fünf Jahre vergangen - höchste Zeit, genauer zu untersuchen, was sich seitdem in deutschen Industrieunternehmen getan hat. In der Studie "Digitalisierung der Produktion" befragte die H&D International Group Entscheider aus dem produzierenden Gewerbe nach dem aktuellen Stand von Industrie 4.0. Dabei berücksichtigte sie die verschiedene Einschätzung der wichtigsten Player dieser Entwicklung: IT-Abteilung und die Fachbereiche des Kernwertschöpfungsprozesses Produktion, Forschung und Entwicklung sowie die technische Planung.

Industrie setzt auf Qualitätsverbesserung

In dem aktuellen Lagebild bewerten 85,7 Prozent der Teilnehmer die Digitalisierung als wichtiges Thema, wobei der Fachbereich Forschung und Entwicklung sowie die IT-Abteilung das Thema am stärksten befürworten. Dabei sehen die verschiedenen Fachbereiche in einer verbesserten Qualität ihrer Produkte den Hauptgrund, um Industrie 4.0 im Unternehmen voranzutreiben. Erst auf Platz zwei der Top-Gründe nennen sie die Wettbewerbsfähigkeit, gefolgt von dem Flexibilitätsgewinn durch digitalisierte Prozesse. Daneben verspricht sich vor allem die IT eine höhere Sicherheit gegen Angriffe von außen.

Ungenutzte Potenziale durch mangelnde Vernetzung

Aufgrund der fehlenden Vernetzung von Maschinen und IT-Systemen untereinander bleiben viele Potenziale für ein intelligentes Zusammenspiel und Synergien der Systeme in der Produktion ungenutzt.
Aufgrund der fehlenden Vernetzung von Maschinen und IT-Systemen untereinander bleiben viele Potenziale für ein intelligentes Zusammenspiel und Synergien der Systeme in der Produktion ungenutzt.
Foto: H&D Consulting

Die Digitalisierung selbst ist in den Unternehmen bereits in vollem Gange. Über zwei Drittel der Befragten gab einen Reifegrad von über 40 Prozent an. Ein Viertel betrachtet die umfassende Digitalisierung in der Produktion bereits zu 60 bis 80 Prozent umgesetzt. Knapp über fünf Prozent gaben an, diese bereits vollständig erreicht zu haben.

Hinter der Digitalisierung steht vor allem eine intelligente Vernetzung der verschiedenen Akteure, Maschinen, Anwendungen und Prozesse innerhalb der Produktion. Hier besteht in den Unternehmen noch Nachholbedarf: Knapp die Hälfte betrachtet die Zunahme der Vernetzung als schleppend und zu noch nicht mal 40 Prozent umgesetzt. Demnach sind zwar viele Prozesse digitalisiert, doch bleiben durch die fehlende Vernetzung von Maschinen und IT-Systemen untereinander viele Potenziale für ein intelligentes Zusammenspiel und Synergien der Systeme in der Produktion ungenutzt.