Wie IT-Abteilungen planen

Individualanwendungen wandern nicht in die Cloud

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Die Make-or-Buy-Frage wird im Cloud-Zeitalter neu beantwortet. CIOs möchten ihre Individualanwendungen im Unternehmen weiterentwickeln, aber Standardsoftware, Middleware und Plattformdienste aus der Cloud beziehen.
  • Die meisten Unternehmen setzen auf die eigene Cloud - aus Sicherheits- und Kontrollgründen
  • Allerdings gibt es bezüglich der technischen Sicherheit Zweifel an internen Lösungen
  • Standardanwendungen und Plattformen können von Dienstleistern bereitgestellt werden, Individualsoftware nicht

Die Zeiten, in denen Unternehmen Cloud Computing scheuten, sind vorbei. Im Jahr 2017 nutzen 75 Prozent der Unternehmen ihre eigene Cloud und sogar knapp 80 Prozent beziehen Cloud-Ressourcen von einem externen Anbieter. Doch was wie ein großer Durchbruch für die Public Cloud klingt, ist keiner: Nur gut zehn Prozent der bereitgestellten IT-Gesamtleistung in Unternehmen stammt heute von einem Provider. Unternehmenseigene Cloud-Umgebungen sind deutlich beliebter, sie stellen 36,6 Prozent der Gesamtleistung bereit - nach 27,1 Prozent im Vorjahr.

Wie viel Prozent der IT-Gesamtleistung beziehen Anwender aus der Cloud?
Wie viel Prozent der IT-Gesamtleistung beziehen Anwender aus der Cloud?
Foto: Capgemini

Wie Capgemini in seiner Trend-Studie feststellt, haben Großkonzerne und auch der Mittelstand ihre Cloud-Nutzung stark ausgebaut. Dabei spielt die Sicherheit eine Schlüsselrolle. Die großen Cloud-Anbieter haben Rechenzentren in Deutschland errichtet und halten sich zunehmend an das Bundesdatenschutzgesetz. Dadurch ist das Vertrauen gestiegen. Auch die von Mai 2018 an geltende EU-Datenschutz-Grundversorgung, nach der sich auch außereuropäische Anbieter richten müssen, wird die Marktentwicklung beflügeln.

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Trotzdem sagen zwei Drittel der Befragten, die Private Cloud sei am sichersten, wenn es gelte, einen Zugriff ausländischer Behörden abzuwehren. Bezüglich der technischen Sicherheit liegt die interne Lösung indes nur auf dem zweiten Rang, 27,8 Prozent der Befragten halten sie für optimal abgeschirmt. Hier ist das Vertrauen in "private Anbieter-Clouds" größer (32,5 Prozent), in Private Clouds also, die im Kundenauftrag abgeschirmt bei einem externen Provider betrieben werden. Tendenziell setzen am ehesten Kleinbetriebe und Mittelständler auf solche private Anbieter-Clouds, da ihnen meistens die Mittel und das Know-how fehlen, um ein ähnliches Sicherheitsniveau wie die Dienstleister zu erreichen.

Sicherheit von Cloud-Anwendungen
Sicherheit von Cloud-Anwendungen
Foto: Capgemini

Werden IT-Wolken im eigenen Unternehmen eingerichtet, ist Sicherheit immer noch das wichtigste Motiv (67,5 Prozent), aber gleich danach folgt - mit steigender Tendenz - das Bedürfnis die Cloud-Dienste in der eigenen IT-Abteilung optimal unter Kontrolle zu halten. Außerdem wollen die Unternehmen ihre vorhandenen IT-Ressourcen und Mitarbeiter auslasten und die benötigten Leistungen individuell gestalten können.

Keine Cloud-Strategie

Was nach überlegtem Vorgehen aussieht, ist es allerdings oft nur bedingt: Rund die Hälfte der befragten T-Chefs folgt keiner dezidierten Cloud-Strategie. Viele Unternehmen nutzen die Cloud immer noch, ohne vorher festgelegt zu haben, was sie damit erreichen und welche Anwendungen sie migrieren wollen. Häufigster Fehler ist es laut Studie, nur auf die zu erwartende Agilität und die Kostenvorteile zu schauen, sich aber zu wenig mit dem späteren Betrieb und Aspekten wie Sicherheit, Governance oder Abrechnung zu beschäftigen. Eine Strategie zu erarbeiten heißt, diese Aspekte im Vorfeld zu beleuchten und so böse Überraschungen zu vermeiden.

Gründe für unternehmenseigene Clouds
Gründe für unternehmenseigene Clouds
Foto: Capgemini

Die Studie fragt auch, ob Individual- und Standardanwendungen sowie Plattformen und Middleware künftig von den eigenen IT-Abteilungen, Outsourcing-Anbietern oder aus der Cloud bereitgestellt werden. Es zeigt sich, dass drei Viertel der Befragten ihre Individualanwendungen auf Dauer in der eigenen IT-Abteilung sehen. Standardanwendungen hingegen wollen nur 21 Prozent selbst bereitstellen, 38 Prozent glauben, dass Outsourcing-Anbieter zum Zuge kommen werden und sogar 40,5 Prozent sehen Standardsoftware in der Cloud. Ähnlich deutlich ist das Ergebnis bei Plattformen und Middleware, die auf Dauer knapp 25 Prozent im eigenen Unternehmen sehen. Hier glauben 36,5 Prozent an Outsourcing-Anbieter und knapp 39 Prozent an Cloud-Angebote.