Microsoft scheitert mit Angebot

Indische Studenten erhalten 100.000 Linux-Notebooks

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Der IT-Lieferant des indischen Bundesstaats Tamil Nadu offeriert Studenten 100.000 billige Linux-Laptops und entscheidet sich gegen Microsoft Windows.

Mit dem staatlichen IT-Dienstleister Electronics Corporation of Tamil Nadu (Elcot) unterstützt eine besonders einflussreiche indische Organisation den Einsatz des Open-Source-Betriebssystems Linux auf Rechnern von Schülern und Studenten. Ein Angebot von Microsoft hatte Elcot zuvor als unzureichend abgelehnt. Die Behörde offeriert die Laptops mit einer vorinstallierten Version der Distribution Suse Linux Enterprise Desktop 10.1 von Novell.

Laut der der Website des Anbieters liegt der Einstiegspreis für die Mobilrechner einschließlich einem Jahr Wartung bei rund 504 Dollar. Zum Lieferumfang gehört unter anderem die Virtualisierungssoftware VirtualBox, die Sun Microsystems kostenlos beisteuert. Anwender können damit auch andere Betriebssysteme auf den Rechnern einsetzen.

Der indische Bundesstaat setzt bereits seit 2007 auf Open-Source-Software. In den Schulen Tamil Nadus wurden den Angaben zufolge rund 30.000 Desktops und 1.800 Server von Microsoft Windows auf Suse Linux migriert. Die im Staatsbesitz befindliche Elcot hatte zuvor ihre eigene IT-Infrastruktur von Windows auf Suse Linux umgestellt. Wichtigstes Ziel der Initiativen sei es, die Anschaffungskosten von IT-Produkten zu senken, lautete die Begründung. Mit der Zuverlässigkeit und Sicherheit der Linux-Systeme sei man sehr zufrieden, erklären Elcot-Verantwortliche. Keiner der eingesetzten Rechner sei in den vergangenen zwei Jahren wegen eine Betriebssystemfehlers oder eines Virusbefalls ausgefallen.

Die nun angebotenen Laptops unterzog Elcot einem harten Auswahlverfahren. So mussten potenzielle Lieferanten nachweisen, dass die Geräte voll kompatibel mit den weit verbreiteten Linux-Distributionen von Red Hat und Novell Suse sind. Darüber hinaus fuhr die Behörde einen Belastungstest der besonderen Art. Sie ließ Personen mit einem Gewicht von mehr als 90 Kilogramm auf die Mobilrechner treten. Auch diese Prüfung überstanden die Linux-Laptops offenbar unbeschadet.

Microsoft ist indes noch nicht ganz aus dem Rennen. Die Windows-Company darf ihr Angebot noch einmal nachbessern. Ursprünglich hatte Elcot einen Pauschalpreis von 12 Dollar für jede vorinstallierte Windows-Version gefordert. Microsoft hielt mit einem Bündelangebot dagegen: Für ein Paket aus Windows, MS Office und einer Antiviren-Software veranschlagte der Branchenriese 57 Dollar. Elcot lehnte ab, weil Microsoft den Einsatz auf den akademischen Bereich beschränken wollte. Dessen ungeachtet empfiehlt der IT-Dienstleister grundsätzlich den Einsatz von Linux, da es Windows "weit überlegen" sei.