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Indische IT-Service-Provider konzentrieren sich auf Europa

24.11.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die indischen IT-Dienstleister suchen in Europa nach weiteren Wachstumsfeldern. Den US-amerikanischen IT-Servicemarkt halten die wichtigsten Vertreter für reif, so dass sie sich nun auf neue Aufgaben konzentrieren können. "Wir wollen den Anteil der Arbeit, den wir in Europa machen, aggressiv ausbauen", kündigte etwa Ramalinga Raju, Chairman von Satyam gegenüber der "Financial Times Deutschland" an. Derzeit stammen rund 16 Prozent der Einnahmen von Satyam aus Europa.

Zusammen kommen die indischen IT-Dienstleister in Deutschland auf einen Marktanteil von 0,4 Prozent, in den USA sind es 1,7 Prozent. Ihre derzeit schwache Position wollen die indischen Häuser mit Übernahmen ausbauen, das erforderliche Geld ist offenbar vorhanden. "Um Europa zu knacken, müssen wir auf Zukäufe setzen. Anders schaffen wir es nicht. Wir haben dafür zurzeit 500 Millionen Dollar zur Verfügung", sagte Phiroz Vandrevala, Executive Vice President von Tata Consultancy Services (TCS), dem größten indischen IT-Services-Provider. Dabei denkt der Manager vor allem an IT-Töchter großer Konzerne und nannte sogar ein konkretes Beispiel: "Sollte etwa eine Fluggesellschaft wie Lufthansa ihre Systemtochter auslagern, wären wir ein Bieter", so Vandrevala.

Den in den letzten Monaten immer wieder aufkeimenden Gerüchten, der an der Börse schwächelnde französische IT-Dienstleister Capgemini könne von einem indischen Haus geschluckt werden, erteilte der TCS-Manager eine Absage: "Wir könnten uns Capgemini leisten, werden aber die Finger davon lassen." Bis 2010 strebt TCS einen Platz unter den weltweit zehn größten IT-Dienstleistern an. Derzeit liegt der Jahresumsatz von TCS bei 1,5 Milliarden Dollar. Capgemini nahm im Geschäftsjahr 2003 mehr als 5,7 Milliarden Euro ein, die Einnahmen von Lufthansa Systems beliefen sich im gleichen Zeitraum auf 610 Millionen Euro. (jha)