Indien: Investitionsparadies verliert Reiz für Anleger

21.02.2008 | von pte pte
Dem indischen Aktienmarkt dürfte nach vier Jahren anhaltender Rekordergebnisse die Luft ausgehen. Vor dem Hintergrund des Börsendebakels des indischen Stromgiganten Reliance Power http://www.reliancepower.co.in könnte das Vertrauen der Anleger in Neuemissionen bereits massiv erschüttert sein, vermuten Analysten. So zeichnet sich eine Marktkorrektur ab, die auf eine vierjährige Kursrally folgt, von der Investoren mehr als 500 Prozent Rendite nutzen konnten. Bereits zu Beginn des Jahres trübte sich der bis dato hochprofitable indische Leitindex Sensex ein. Zwar erreichte dieser am 8. Januar mit 20.873 Zählern noch ein Rekordhoch, rutsche in der Folge jedoch bis Mitte Februar um rund 20 Prozent auf Tiefstände bei 16.600 Zählern ab, um sich später wieder bei etwa 18.000 Punkten einzupendeln.

"Es ist grundlegend wichtig, dass man die realwirtschaftliche Entwicklung Indiens getrennt von der Lage auf dem Börsenparkett betrachtet. Das Wirtschaftswachstum hat auch wie die Jahre zuvor im vergangenen Jahr über acht Prozent betragen. Insofern sehe ich den Standort künftig alles andere als gefährdet. Vor dem Hintergrund der Kursrally war es mittel- bis langfristig abzusehen, dass sich dieser Trend unmöglich fortsetzen kann und wird", erläutert Rainer W. Schäfer, Emerging-Markets-Analyst bei der Dresdner Bank http://www.dresdnerbank.de , im Gespräch mit pressetext. Dem Experten zufolge sei der dämpfende Effekt durch den IPO von Reliance Power für den Markt gesund, da bereits erste regionale Überhitzungserscheinungen im Immobilienmarkt zu erkennen seien.

Nach dem ersten Tiefschlag für die indische Börse durch den Einbruch an den Weltbörsen Mitte Januar floppte mit Reliance Power der bis dato größte IPO der indischen Geschichte. Die Aktien des Börsenneulings rutschten bis zum Handelsschluss um 17 Prozent tief ins Minus, was Beobachter an die Zeiten der New Economy haben erinnern lassen. Obwohl der Konzern derzeit noch keine Energie produziert und voraussichtlich erst 2010 nennenswerte Umsätze erwirtschaften wird, liegt die Marktkapitalisierung von Reliance Power bereits bei rund 16,1 Mrd. Euro. Die Einschätzung Schäfers, dass aufgrund der hohen - Insider meinen sogar 73-fachen - Überzeichnung der Aktien nun eine gesundende Wirkung eingetreten ist, teilt auch Arun Mehra, Manager des Fidelity India Focus Fund.

Dem Experten zufolge ist die wirtschaftliche Entwicklung Indiens robust, sodass wegen der langfristig positiven Aussichten für Anleger erneute Einstiegsmöglichkeiten bestehen. "Zwar sind die USA mit Blick auf den indischen Börsenplatz eine absolut dominierende Kraft, die in gewisser Weise Abhängigkeit bedeutet, dennoch halte ich die Realwirtschaft des Landes für weitestgehend abgekoppelt. Die Auswirkungen der US-Subprime-Hypothekenkrise auf Indien dürften somit marginal ausfallen", prognostiziert Schäfer auf Nachfrage von pressetext. Reliance Power besitzt zwar noch kein laufendes Geschäft, hat aber große Investitionspläne. So will das Unternehmen mit den Erlösen aus dem Börsengang den Bau von 13 Kraftwerken finanzieren, die rund 28.000 Megawatt Leistung liefern und 28,5 Mrd. Dollar kosten sollen. (pte)

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