In Russland kommt es auf den Titel an

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Für eine SAP-Einführung in Russland gelten eigene Gesetze. Berater müssen nicht nur skeptische Anwender überzeugen, sondern auch mit Sprachproblemen und halbfertigen Büros zurecht kommen.

Hier lesen Sie ...

  • warum für Projekte in Russland Sprach- und kulturelle Kenntnisse so wichtig sind;

  • was russische Auftraggeber von SAP-Beratern erwarten;

  • warum Berater in Russland andere Visitenkarten brauchen.

Der ehemals weitgehend geschützte russische Markt hat sich der westlichen Wirtschaft in den vergangenen Jahren immer weiter geöffnet. Das spiegelt sich auch in der Unternehmens-IT wider. Russische Unternehmen wollen mit SAP-Einführungen westliches Prozess-Know-how importieren, um für den wachsenden Wettbewerbsdruck - nicht zuletzt durch die westliche Konkurrenz - und die eigenen Expansionsbestrebungen besser gerüstet zu sein.

Dabei sind IT-Projekte in Russland mit hiesigen kaum zu vergleichen. Die meisten russischen Unternehmen haben erst wenig Erfahrungen mit den Veränderungen und dem zeitlichen Aufwand, die die Einführung eines neuen ERP-Systems mit sich bringen. Die geringe Projekterfahrung auf Kundenseite zusammen mit dem enormen Erfolgsdruck in dem rasant wachsenden Markt stellen extreme Anforderungen an die Projektleitung.

"Gerade in Märkten, in denen wir mit größeren IT-Projekten noch nicht so viele Erfahrungen gesammelt haben, müssen unsere Berater mit viel Fingerspitzengefühl arbeiten und pragmatisch vorgehen", sagt Jörg Dietmann, Managing Director des SAP-Beratungshauses Ciber Novasoft. "Nicht jeder gute Projektleiter in Deutschland ist geeignet, auch in Russland ein Projekt zum Erfolg zu bringen - umgekehrt schon eher."

Während westeuropäische Unternehmen auf gewachsene Geschäftsprozesse zurückblicken können, sind viele russische Betriebe noch sehr jung. Experten, die sich mit speziellen Geschäftsabläufen bestens auskennen, findet man in Russland selten. Unternehmen in Westeuropa haben meist eine genaue Vorstellung davon, wie sich die Geschäftsprozesse mit der Einführung eines neuen Systems gestalten sollen. Mit den Beratern wird dann die optimale Strategie erarbeitet. In Russland hingegen erwartet der Kunde, dass der Dienstleister den Weg vorgibt. "In Westeuropa führt der Kunde, in Russland wir", bestätigt Wolfgang Lehmann, Geschäftsführer der russischen Ciber-Novasoft-Gesellschaft: "Beratung heißt hier immer auch Prozessgestaltung."

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