Innovations-Management

In den Mitarbeiterköpfen schlummern Milliarden

13.01.2014 | von 
Peter Ilg
Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.
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Jeder dritte Beschäftigte beteiligt sich einer Studie zufolge am Ideen-Management. Zu wenig, meinen Experten. Milliarden würden vergeudet, weil es in vielen Firmen an einer wertschätzenden Unternehmenskultur mangele.

Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Das dachte sich ein Telekom-Mitarbeiter, der ein Tool entwickelte, das die Leistungsdokumentation der Außendiensttechniker vereinfacht. Bislang mussten sie alle Arbeiten in ein System eintragen und penibel dokumentieren, was genau vor Ort gemacht und welche Fehler behoben wurden. Sie mussten auch den Folgeprozess kennen und diesen durch entsprechende Dateneingabe anstoßen. Das nun entwickelte Tool, eine Art Bildkatalog, führt die Dokumentationen weitgehend automatisch aus. Über Bilder aus einem hinterlegten Katalog kann der Techniker aus einer Liste vordefinierter Leistungen die von ihm erbrachten auswählen.

3,6 Millionen Euro Prämien

Durch die Idee sparen Tausende Telekom-Außendiensttechniker erheblich Zeit bei der Dokumentation. Die Idee des Mitarbeiters hat der Telekom Einsparungen im einstelligen Millionenbereich beschert. Wie viel an den Mitarbeiter ausgeschüttet wurde, war nicht zu erfahren, um keinen Neid unter den Kollegen zu schüren. Es habe sich aber für den kreativen Mitarbeiter gelohnt.

Rund 70 Prozent der Firmen haben ein Ideen- und Innovations-Management.
Rund 70 Prozent der Firmen haben ein Ideen- und Innovations-Management.
Foto: Peshkova/Fotolia.com

Seit 1969 betreibt die Telekom ein betriebliches Vorschlagswesen, das seit 2008 Ideen-Management heißt. Insgesamt reichten die Beschäftigten im vergangenen Jahr 13.000 Ideen ein, fast 1000 davon wurden umgesetzt. Der Nutzen fürs Unternehmen lag bei rund 104 Millionen Euro, als Prämie schüttete die Telekom 3,6 Millionen Euro aus. Eingegeben werden die Ideen in ein Tool, in dem 40.000 Mitarbeiter angemeldet sind. Jeder dritte Telekom-Beschäftigte beteiligt sich am Ideen-Management.

Die Teilnehmer stammen querbeet aus allen Mitarbeiterschichten. Jede vierte eingereichte Idee hat einen technischen Hintergrund. Andere Vorschläge betreffen Prozesse, Organisation oder Umweltschutz.

Ideen-Management nimmt zu

Ideen-Management findet überall in Deutschlands Unternehmen statt - mit stark steigender Teilnehmerzahl. 2012 wurden gegenüber dem Vorjahr doppelt so viele Vorschläge eingereicht: pro 100 Mitarbeiter 164 Vorschläge. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft, Frankfurt am Main, an der 145 Unternehmen mit rund 1,6 Millionen Beschäftigen teilnahmen. Die guten Ideen brachten den Firmen einen Nutzen im Wert von 1,15 Milliarden Euro. Jeder dritte Mitarbeiter beteiligte sich am Ideen-Management, die durchschnittlich gezahlte Prämie für jeden prämierten Vorschlag betrug 74 Euro.

Christoph Gutknecht leitet das Ideen- und Innovations-Management am Deutschen Institut für Betriebswirtschaft. Er berichtet: "Die Grundlagen für das heutige Ideen-Management legte Alfred Krupp bereits 1872 fest." Führungskräfte sollten das Ideenpotenzial der Mitarbeiter nutzen. Das war der Anfang des betrieblichen Vorschlagswesens. In den 1980er Jahren erlebte es durch den Zwang kostengünstiger Produktion eine Belebung: Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Lean Management und Total Quality waren damals Trends. Mit deren Einführung wurde aus dem bürokratischen Akt des betrieblichen Vorschlagswesens das Ideen-Management. Die Vorgesetzten sollten ihre Mitarbeiter motivieren, über den eigenen Zuständigkeitsbereich hinauszudenken.

Verbesserung durch Selbsthilfe und Eigeninitiative

Jedes Unternehmen ist daran interessiert, sich permanent zu verbessern. "Selbsthilfe und Eigeninitiative sind dabei die besten Möglichkeiten, weil sie von Mitarbeitern kommen und im Unternehmen daher einen breiten Konsens finden", sagt Gutknecht. Externe Berater würden viel Staub aufwirbeln, wodurch Barrieren und Ablehnung entständen. Dass sich Mitarbeiter am Ideen-Management beteiligen, begründen Arbeitspsychologen damit, dass Menschen durch Anerkennung motiviert werden.

Was die Art der Vorschläge betrifft, sieht Gutknecht einen Wandel und eine Ausweitung auf andere Branchen. Bislang waren die meisten Vorschläge technischer Natur und das Ideen-Management überwiegend auch in Hightech-Unternehmen installiert. Jetzt breitet es sich aus, und mit neuen Zielgruppen und in Branchen wie Banken, Handel, aber auch in Krankenhäusern und Verwaltungen reifen neue Ideen, etwa für einen schlanken Workflow.

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