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Immobilienbewertung: Rot-Grün-Regierung verhindert Telekom-Überprüfung

21.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Regierungskoalition hat im Haushaltsausschuss des Bundestags ein Klärung der umstrittenen Immobilienbewertung der Deutschen Telekom verhindert. Der Bundesrechnungshof hatte in einem geheimen Schreiben darauf hingewiesen, dass Bonner Konzern zwar nach Aufforderung seine Grundstücke in den Bilanzen um fast 2,5 Milliarden Euro abgewertet habe, die Gebäude stünden aber noch mit ihrem Wert von 1995 in den Büchern (Computerwoche online berichtete). Das Resultat sei eine vollkommen falsche Vermögensbewertung der Telekom. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" war dem Gutachten ein Beschlussvorschlag angefügt, wonach der Haushaltsausschuss das Finanzministerium auffordern solle, über die Vertreter des Bundes im Telekom-Aufsichtsrat auf eine Klärung der Bewertungsproblematik zu drängen.

Nach Angaben der Zeitung wurde dieser Passus aber gestrichen. Statt dessen beschränkte sich der Haushaltsausschuss auf die Aufforderung, das Ministerium solle sicherstellen, dass der Bund regelmäßig über Haftungsrisiken aus Altschulden unterrichtet wird. Zudem wurde das Ministerium ermahnt, seiner Pflicht zur Kontrolle der Telekom und zur Unterrichtung des Rechnungshofs "innerhalb der gesetzlichen Frist" nachzukommen.

Nicht zuletzt aufgrund des neu aufgerollten Immobilienskandals stürzte die T-Aktie am heutigen Freitag morgen vorübergehend auf ein neues Allzeittief von 8,97 Euro. Zusätzlich belastete die "Volksaktie" aber auch die Umstellung der Dax-Bewertung auf Aktien im Streubesitz. Aufgrund der neuen Methode sinkt der Anteil der Telekom an dem aus 30 Werten bestehenden Deutschen Aktienindex um fast zwei Prozent. Das Papier rutscht von Platz zwei im Index auf Platz sechs zurück. Fonds, die den Dax abbilden, müssen ihre T-Aktien nun zum Teil verkaufen. (mb)