Volker Dirksen, CIO LV Münster

Im Selbstverständnis Turnaround-IT-Manager

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Gleichzeitig mit der Einführung eines einheitlichen ERP-Systems begann Volker Dirksen, CIO des LV Münster, eine Service-orientierte Architektur aufzubauen.

Wozu braucht ein mittelständisches Unternehmen eine Service-orientierte Architektur, kurz SOA? Auf diese Frage weiß Volker Dirksen, CIO des Landwirtschaftsverlags (LV) Münster, durchaus Antwort: Auf diese Weise ließen sich Softwareprodukte problemloser austauschen. "Die Integration einer neuen Softwarelösung in die vorhandene IT-Bebauung nimmt inzwischen einen bedeutenden Teil des Projektaufwands in Anspruch", sagt Dirksen. Zudem sei die SOA auch ein Gewinn für das Business, betont der CIO: "Es geht darum, automatisiert, also schnell, skalierbar und zuverlässig, neue Geschäftsprozesse aufzusetzen."

Die Komplexitätsfalle umgehen

Gerade im Verlagswesen verändern sich die Business-Modelle durch die zunehmende "Digitalisierung" rasant. Ein Micropayment-Geschäftsmodell beispielsweise zahle sich aber nur aus, wenn es keine manuellen Eingriffe durch Mitarbeiter gebe, so Dirksen. "Wir wollen nicht jedes Mal neu dar-über nachdenken, in welcher Weise man bestimmte Services anbietet."

Eine Bonitätsprüfung oder den Abgleich, ob es sich bei einem Interessenten um den Abonnenten einer im LV erscheinenden Zeitschrift handelt - das brauche quasi jedes Geschäftsmodell: "Wenn wir da jedes Mal das Rad neu erfinden, laufen wir in eine Komplexitätsfalle." Sinnvoll ist es also, solche Services einmal zu erstellen und über einen Enterprise Service Bus (ESB) bereitzustellen. Aus dieser Überlegung entstand das Projekt "Trusted Agility", mit dem sich Dirksen als "CIO des Jahres 2012" bewarb - und den sechsten Platz in der Kategorie Mittelstand belegte.

Auch der Mittelstand braucht SOA

Die SOA-Botschaft ist in den Großunternehmen längst angekommen. Im Mittelstand wird sie bislang eher selten gehört. Dabei entwickeln sich die IT-Bebauungen dort genauso unkoordiniert wie in den Konzernen. Das war auch beim LV der Fall, wie sich Dirksen erinnert.

Als der "Turnaround-IT-Manager", so Dirksens Selbstverständnis, 2011 das Enterprise-Architecture-Management (EAM) in Angriff nahm, machte er erst einmal eine Bestandsaufnahme der IT-Bebauung, der Prozesse und Schnittstellen: "Bei einigen Prozessen musste ich nahezu die gesamte IT befragen, um herauszufinden, wie diese eigentlich technisch abgebildet sind." Solche "Kopfmonopole", also Wissen, das an bestimmte Mitarbeiter gebunden war, fanden ihre technische Entsprechung in heterogenen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Aus Sicht des CIO galt es, das zu ändern.

Karrierestationen

  • Seit August 2009 ist Volker Dirksen CIO des LV Münster. Das Medienhaus gibt unter anderem das Print-Magazin "Landlust" heraus, das 2012 mehr als eine Million Exemplare pro Ausgabe verkauft hat.

  • Zuvor war der heute 39-jährige zweieinhalb Jahre lang selbständiger Berater.

  • Wichtige Karrierestationen waren auch das Verlagshaus Gruner + Jahr sowie der Halbleiterproduzent Infineon.

  • Seine Karriere begann Dirksen beim Beratungsunternehmen Ernst & Young - mit einem Diplom für Wirtschaftsinformatik in der Tasche, das er an der Universität Münster erworben hatte.

Argumentationshilfe für EAM

Dass das Medienhaus gleichzeitig eine neue ERP-Software einführte, erleichterte die Argumentation: Das EAM-Vorhaben segelte quasi im Windschatten der Implementierung von Microsoft Dynamics NAV in Finanzbuchhaltung und Controlling. Im Rahmen dieses Einführungsprojekts mussten ohnehin Dutzende von Schnittstellen angefasst werden. Und dabei stellte sich, so Dirksen, ganz natürlich die Frage, ob man die IT-Landschaft nicht gleich "richtig und perspektivisch aufstellen" sollte.

Die beiden Projekte wurden sogar gemeinsam budgetiert. "Ohne die ERP-Einführung als Anlass wäre es sicher deutlich schwieriger gewesen, das EAM-Projekt zu begründen", räumt Dirksen ein.

Gedämpfte Begeisterung

Trotzdem waren nicht alle Fachbereiche begeistert, dass neben ihren funktionalen Softwareanforderungen künftig auch die Frage der "Architektur-Compliance" ein Thema sein sollte. Dirksen zeigt Verständnis: "Für das Business ist das eher unbequem." Aber die neue Architektur sei im Unternehmensinteresse: "Und eine Führungskraft sollte sich im Idealfall nicht nur als Kopf einer Abteilung, sondern als Teil der Unternehmensführung begreifen."

Für die Umsetzung verwenden Dirksen und seine gut 30 Mitarbeiter die Software "e2ebridge" des Schweizer Anbieters E2E Technologies, eines Unternehmens im Verbund der Scheer Group. Das Werkzeug sei "grundsätzlich anders aufgesetzt als herkömmliche SOA-Werkzeuge", erläutert Dirksen, "der modellgetriebene Ansatz auf Basis von BPMN und UML steht im Vordergrund, weniger die Programmierung". So ließen sich die Anforderungen des Business schneller und direkter umsetzen. Nebenbei wird die Dokumentation - lesbar für das Business - gleich mitgeliefert.

Nagelprobe bestanden

Erste Erfolge können die ITler des LV auch bereits vorweisen: Die neuen Services wurden beim Relaunch der Website für das Erfolgsmagazin "Landlust" erstmals genutzt - für die Automatisierung der Abo-Handling-Prozesse. (mhr)

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