Lünendonk-Studie

Im IT-Servicemarkt blüht das Projektgeschäft – nicht der IT-Betrieb

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Mit dem Betrieb von IT-Infrastruktur und Anwendungen lässt sich immer schlechter Geld verdienen. Gut positioniert ist, wer Leistungen hochautomatisiert und mit wenigen Ressourcen erbringen kann. Besser laufen die Geschäfte im IT-Servicemarkt für diejenigen, die große Digitalisierungsprojekte an Land ziehen.

Neueste Marktforschungsergebnisse der Lünendonk GmbH, Kaufbeuren, zeigen, dass sich im deutschen IT-Servicemarkt das Beratungs- und Systemintegrationsgeschäft (Projektgeschäft) deutlich besser entwickelt als die Umsätze mit dem Betrieb von IT-Infrastruktur und Anwendungen. Dabei wuchs das Projektgeschäft 2014 um 6,9 Prozent auf ein Volumen von 13,1 Milliarden Euro, während die Einnahmen mit Dienstleistungen rund um den IT-Betrieb nur noch um 0,4 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro zulegten. Insgesamt haben demnach die IT-Beratungs- und Serviceunternehmen im vergangenen Jahr 33,3 Milliarden Euro eingenommen.

Gute Geschäfte mit Digitalisierung

Lünendonk hat die Untersuchungsergebnisse in der neuen Studie "Führende IT-Beratungs- und IT-Service-Unternehmen in Deutschland" zusammengefasst. Demnach haben sich die Auftragsbücher der IT-Beratungen so gut gefüllt, weil derzeit mit hohem Zeitdruck Digitalisierungsprojekte angegangen werden. 2015 wollen die IT-Beratungen im Mittel um 8,6 Prozent zulegen, 2016 sollen es dann sogar 10,6 Prozent sein.

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt - Foto: ArtFamily - shutterstock.com

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt

Während also die auf das IT-Projektgeschäft fokussierten Berater - mal abgesehen vom permanenten Personalmangel - keinen Grund zur Klage haben, läuft es im Marktumfeld der auf IT-Betrieb spezialisierten Service-Unternehmen schlechter. Zwar verbessern Industrialisierung und Automatisierung die Qualität der Leistungserbringung, und die Qualität, mit der Geschäftsprozesse durch die IT unterstützt werden, verbessert sich. Doch die Leistungen werden zunehmend vergleichbar und in der Tendenz preiswerter. Die Verlagerung von Aufgaben wie Testing, Software-Entwicklung und Applikationsbetrieb in Nearshore- und Offshore-Regionen erhöht zudem den Preisdruck. Immerhin sind das gute Nachrichten für die Kunden: Ihre Verhandlungsposition verbessert sich zusehends.

Delivery-Prozesse werden automatisiert

Trotz allem sehen auch die IT-Serviceunternehmen Licht am Ende des Tunnels. 2015 sollen die Einnahmen wieder um 3,7 Prozent wachsen, 2016 dann mit 3,8 Prozent auf vergleichbarem Niveau. Wie Mario Zillmann, Leiter Professional Services und Studienautor, vor der Presse ausführte, bleibt der Druck auf Geschäften mit Anwendungs- und Infrastrukturbetrieb aber hoch, da sich die Geschäftsmodelle und das Wettbewerbsumfeld der Kunden durch die Digitalisierung rasant veränderten - und damit auch ihre Technologieanforderungen. Der Schlüssel für den Erfolg liege in einer starken Automatisierung der Delivery-Prozesse, im Aufbau von Cloud-Kapazitäten sowie in der Anpassung des Service-Portfolios auf veränderte Kundenanforderungen.

Mario Zillmann,Mario Zillmann, Leiter Professional Services und Studienautor bei Lünendonk
Mario Zillmann,Mario Zillmann, Leiter Professional Services und Studienautor bei Lünendonk
Foto: Lünendonk

Lünendonk hat in seiner Umfrage nicht nur IT-Anbieter, sondern auch CIOs großer Anwenderunternehmen befragt. Die Marktforscher wollten von den IT-Chefs wissen, wo mittelfristig ihre Schwerpunkte in der Budgetplanung liegen. Dabei zeigte sich, dass die Anwender vor allem in das Modernisieren ihrer Altanwendungen sowie weiter ins Standardisieren und Konsolidieren ihrer IT-Landschaft investieren wollen. Es folgen die Beschäftigung mit IT-Sicherheit und - mit etwas Abstand - die Trendthemen Cloud, Business Analytics und Big Data.

Auch den IT-Dienstleistern wurde diese Frage gestellt: "In welchen Themenbereichen erwarten Sie bei ihren Kunden Investitionen?" Die Antworten weichen teilweise deutlich von denen der CIOs ab. Die Service-Provider sehen Big Data und Business Analytics als die IT-Themen mit dem künftig größten Investitionsbedarf, gefolgt von Cloud Services und IT-Security.

CIOS wollen aufräumen, bevor sie "digitalisieren"

Zillmann geht davon aus, dass die CIOs wissen: Nur wenn Daten, Software und Infrastruktur auf einem modernen und gepflegten Stand sind, kann die digitale Transformation eines Unternehmens gelingen. "Unterschiedliche Release-Stände, diverse Insellösungen und veraltete Individualsoftware, die sich nicht mit den neuen Tools kombinieren lässt, sind für den digitalen Wandel hinderlich." Immerhin beschreiben 22 Prozent der befragten CIOs ihre IT-Prozesse als veraltet - ein Status quo, der sich in den nächsten zwei Jahren komplett ändern soll. Die Projekte und Schwerpunkte, für die budgetiert wurde, spiegeln diesen Trend wieder.

Schließlich wollte Lünendonk auch herausfinden, in welchen Geschäftsbereichen CIOs mit ihren Digitalisierungsprojekten ansetzen. Der Umfrage zufolge liegt der Schwerpunkt auf Logistik/Supply Chain und Service/Kundendienste. Es folgen Vertrieb, Marketing, Forschung & Entwicklung sowie Produktion & Fertigung. Auf Seiten der Anbieter wird das ähnlich eingeschätzt - mit einer Ausnahme: Produktion und Fertigung schätzen die IT-Serviceprovider - Stichwort Industrie 4.0 - als ähnlich wichtig ein wie Logistik und Kundendienst/Services.